Von den Franken bis zum Ende des merowingischen Königtums

 

Die Franken

Die Franken (= die Freien, Kühnen) waren ursprünglich ein lockerer Zusammenschluss verschiedener germanischer Stämme vom Mittel- und Niederrhein.
Es bildeten sich unter ihnen zwei geographische Gruppierungen heraus, die später die "Ripuarier" (Rhein-Mosel-Gebiet) und die "Salier" (Rheinmündung bis Ärmelkanal) genannt wurden.
Die Ripuarier eroberten römisches Gebiet am Rhein und gründeten ein Reich in der Gegend um Köln, das bis ins heutige Hessen reichte.
Die Salier drängten nach Süden in römisches Gebiet, worauf die Römer sich bemühten, sie zu ihren Verbündeten zu machen, indem sie ihnen Siedlungsland zuteilten und sie gegen Belohnung gegen andere germanischen Stämme (wie Westgoten, Sachsen und Alemannen) einsetzten.

 

Entstehung des Frankenreichs unter Chlodwig (482-511)

486 siegte der salische Kleinkönig Chlodwig über die letzten römischen Statthalter und unterwarf sich in der Folgezeit die übrigen fränkischen Kleinkönige.
Innerhalb von 30 Jahren hatte er damit ganz Westeuropa zwischen dem Atlantik und der Linie Werra-Main-Donau, den Pyränäen und dem Zuidersee unter seine Herrschaft gebracht. Dabei verdrängte er die Westgoten von Süd- und Südwestfrankreich nach Spanien, die Alemannen wichen ihm nach Osten aus.
 
Im Gegensatz zu den übrigen Germanen, die dem Arianismus angehörten (der 325 auf dem Konzil von Nicäa als Irrlehre verurteilt worden war), nahm Chlodwig den römisch-katholischen Glauben an. Dies war ein wohl durchdachter Schritt, denn damit sicherte er sich bei seinen gallorömischen Untertanen eine gewisse Loyalität, wie auch die Unterstützung der römischen Kirche. Dies war bedeutend, da die eigentlichen Autoritäten in seinem neueroberten Reich die Bischöfe waren.
511 ließ sich Chlodwig dann auch das Recht auf die Ernennung oder Bestätigung der Bischöfe in seinem Reich verbriefen, wodurch er eine wichtige Elite in seinem Land unter Kontrolle bekam. Zum anderen wuchs dadurch die Eigenständigkeit der fränkischen Landeskirche. Doch Chlodwig tat noch mehr, um seine Untertanen stärker an sich zu binden: so erleichterte er die Verschmelzung von Gallorömern und Franken durch die Übernahme der römischen Verwaltungseinrichtungen und die rechtliche Gleichstellung von Galliern und Franken. Ausserdem erhob er den beliebten Heiligen Martin von Tours zum Schutzpatron seines Hauses - der Mantel des Heiligen Martin wurde die Staatsreliquie des fränkischen Königtums (hierher kommt auch das Wort "Kapelle").
Zum Mittelpunkt des Merowingereiches wird Paris.

 

Das Merowingerreich nach Chlodwig

Nach Chlodwigs Tod herrschten nach dem germanischen Prinzip der Herrschaftsteilung ("Indiviualsukzession") seine vier Söhne gleichberechtigt zusammen über das Merowingerreich.
Es gelang ihnen, das Großreich weiter auszubauen: so unterwarfen sie bis Mitte des 6. Jh. die Stämme der Thüringer und Burgunder, brachten die Baiern unter ihre Abhängigkeit und konnten die Westgoten fast gänzlich aus Südfrankreich verdrängen.
Die häufigen Reichsteilungen unter ihren Nachfolgern in Folge der Individualsukzession führten zur Herausbildung von drei Teilreichen: dem Ostreich, "Austrien", mit den Residenzen Reims und Metz; dem Westreich, "Neustrien", mit den Residenzen Paris und Soissons, sowie dem südliche Burgund mit der Residenz Orléans.
Machtkämpfe zwischen den Königen des Ost- und Westreiches, sowie zwischen dem Adel und den Königen zerrütteten das Reich. Die Könige verloren allmählich die Macht an ihre obersten Staatsbeamten, unter denen sie nur noch ein Schattendasein führten. Als Könige geduldet wurden sie eigentlich nur noch, da ihr Königtum religiös legitimiert war; diese für einen König des Frankenreiches notwendige Aura besaßen dagegen ihre Beamten nicht.

 

Die "Herrschaft" der Hausmeier

Die königlichen Hausmeier, ursprünglich nur Vorsteher der königlichen Haushaltung, erlangten unter den Merowingerkönigen immer mehr Machtbefugnisse und entwickelten sich schließlich zu den eigentlichen Herrschern. Nach dem Vorbild er Könige versuchten sie die Erblichkeit ihres Amtes zu erreichen.
687 besiegte der Hausmeier Pippin II. von Austrien, ein Angehöriger des Geschlechts der Karolinger, seinen Rivalen, der bisher uneingeschränkt über Neustrien und Burgund geherrscht hatte, in der Schlacht von Textry.
Pippin II. regierte nun über das Gesamtreich, dessen Mittelpunkt nun mehr an der Maas lag. Mittlerweile war jedoch das Gebiet südlich der Loire in Burgund sowie die Alemannen und Baiern wieder ziemlich selbstständig geworden.
Pippins Nachfolger Karl Martell (= "der Hammer") musste sich die Herrschaft erst wieder erkämpfen. Er unterwarf die Friesen und band die Alemannen wieder an das Reich, vor allem aber konnte er in der Schlacht von Tours und Poitiers 732 den Ansturm der islamischen Araber stoppen, die schon Spanien erobert hatten.
Sein Nachfolger, Pippin d. Jüngere (ab 741) bemühte sich um eine engere Verbindung zwischen fränkischer und römischer Kirche. Seine Verbindung zum Papst Zacharias half ihm dabei bald bei seinem Streben nach einer eigenen Königswürde...

siehe nächstes Kapitell

 

 


 

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