Der Zerfall des Karolingerreiches

 

Die Teilung des Frankenreiches

Nachdem Prinz Pippin noch vor seinem Vater gestorben war, gab es keinen Zweifel mehr auf das Anrecht Karls des Kahlen auf ein Teilreich. Nun ging es darum, den Haupterben des Frankenreiches, Lothar, in die Schranken zu weisen.
Gemeinsam mit seinem Stiefbruder Ludwig besiegte Karl 841 das Heer Lothars in der Schlacht von Fontenoy.
Ludwig und Karl bekräftigten ihr Bündnis 842 durch die "Straßburger Eide", die zum allseitigen Verständnis in deutsch und französisch abgefasst wurden. Die im Wortlaut erhaltenen Eide sind daher ein frühes Zeugnis für die Entwicklung der beiden Sprachen.
Im Vertrag von Verdun wurde 843 die Aufteilung des Reiches unter den drei Brüdern beschlossen, wobei jedoch dessen Einheit unter Lothars Kaiserherrschaft weiter bestehen bleiben sollte. Karl erhielt den Westteil des Reiches bis zur Linie von Schelde-Maas-Rhône, Ludwig ("der Deutsche") bekam den Ostteil des Reiches und Lothar erhielt neben dem Kaisertitel Italien und das Zwischenstück mit Aachen und Verdun.
Diese Teilung sollte nicht die Auflösung des Fränkischen Großreiches herbeiführen, im Endeffekt tat sie dies aber dennoch, denn eine Einheit sollte nie wieder erreicht werden. Der mittlere Korridor, über den der Kaiser herrschte, sollte keinen Bestand haben. Dem gegenüber bildeten die homogeneren Teilreiche des Westens und Ostens die Wurzel für die Entstehung eines deutschen und französischen Reiches. Von dieser Sicht aus könnte man den Vertrag von Verdun als die Geburtsstunde von Frankreich und dem deutschen Reich ansehen.
Nach Lothars Tod 855 wurde sein Reichsteil erneut unter dessen Söhnen aufgeteilt: in das nördliche Lothringen und in Italien, an welches die Kaiserkrone gebunden war. Nachdem auch der Herrscher über Lothringen, Lothar II., gestorben war, teilten seine Onkel das Reich ohne Rücksicht auf weitere Anwärter unter sich auf (Vertrag von Meersen, 870). Beide strebten jedoch danach, das gesamte Gebiet zu besitzen. Schließlich gelang es Ludwig d. Jüngeren, dem Nachfolger Ludwig d. Deutschen, 877, sich ganz Lothringen anzueignen. Ein Zankapfel zwischen Frankreich und Deutschland blieb das Land jedoch bis in die jüngste Geschichte hinein.

 

Das Ostreich

Das Ostreich, welches Ludwig der Deutsche erbte, war politisch und wirtschaftlich weniger entwickelt als das Westreich, dessen kulturelle und wirtschaftliche Überlegenheit bis auf die Römerherrschaft zurückreichte. Dem gegenüber besaß das Ostreich jedoch von beiden Teilreichen die größere ethnische, sprachliche und kulturelle Kompaktheit. Zudem besaß hier der König gegenüber Adel und Kirche eine größere Autorität, während es der König des Westreichs Anfangs schwerer hatte, sich gegen die gewachsenen lokalen Machtstrukturen von Kirche und Adel durchzusetzen.
Ludwig d. Deutsche und sein Nachfolger bemühten sich auch weiterhin um die Förderung des geistigen und literarischen Lebens am Hof und in den Klöstern.
 
Die Raubzüge der Wikinger
Unter Ludwig d. Jüngeren wurde das Ostreich durch Plünderungszüge der Wikinger (845 Zerstörung Hamburgs) gebeutelt. Deren gewandte, überfallartige Raubzüge verwüsteten Lothringen und die Rheinlande und suchten sogar Aachen heim.
 
Die Slawenaufstände
!!!Baustelle!!!
 
König Ludwig dem Jüngern folgte 882 sein Bruder Karl, genannt der Dicke, auf den Thron. nachdem sämtliche übrigen Könige gestorben waren, wurde dieser 885 durch Zufall noch einmal zum Alleinherrscher über das Frankenreich. Doch war seiner Herrschaft kein Glück beschieden. Er zeigte sich als ein wenig geschickter, unpopulärer Herrscher, der zudem gegenüber den marodierenden Wikingern ein mangelndes Durchsetzungsvermögen zeigte. Auf Betreiben seines Neffen Arnulf von Kärnten hin, wurde er daher auf dem Reichstag von Tribur 887 abgesetzt.
 
Erstarken der Herzogtümer
An seine Stelle wählten die großen des Reiches mit Arnulf von Kärnten noch einmal einen Karolinger zum Alleinherrscher, 896 wurde er zum Kaiser gekrönt. Doch das Großreich der Franken war endgültig im Verfall begriffen. In den Teilreichen setzten sich regionale Mächte an die Spitze, unter deren Oberherrschaft man in den unruhigen Zeiten eher Schutz erwartete als unter einem schwachen und fernen Kaiser.
Im Ostreich kam es zum Erstarken der großen Familien und zum Entstehen neuer Stammesherzogtümer. In Baiern setzte sich das Geschlecht der Luitpoldinger durch, in Sachsen die Liudolfinger. Dies geschah vor dem Hintergrund der Notwendigkeit der Grenzsischerung, denn zu den Unruhen der Slaven kam mit den Ungarneinfällen (ab 894) in Pannonien und Baiern eine neue Gefahr hinzu.
 
Arnulf von Kärnten genoss unter den neuen Teilkönigen und Stammesherzögen jedoch wenigstens eine Art Vorrangstellung und die Rolle eines Schiedsrichters. Sein Ansehen stieg, als er den Wikingern in einer Schlacht bei Löwen an der Dyle eine vollständige Niederlage zufügen konnte und das Reich auf Dauer von dieser Plage befreite.
 
Mit der Schwächung der Zentralmacht wuchs die Bedeutung Baierns. Dessen Hauptstadt Regensburg wurde kultureller und religiöser Mittelpunkt des Ostfrankenreiches. Hier fanden bald die meisten Reichstage statt.
 
Nach dem baldigen Tod des Königs Arnulf von Kärnten wurde dessen minderjähriger Sohn Ludwig, genannt "das Kind" zum König erhoben. Unter dessen "Herrschaft" konnten nun Adel und Geistlichkeit ihren eigenen Interessen noch ungehemmter nachgehen. Mit dem frühen Tod Ludwigs als erst 18-jähriger endete die ostfränkische Linie der Karolinger. Es war nun an den Herzögen, über die Nachfolge zu bestimmen.

Nächstes Kapitell: Das Reich unter den Sachsenkönigen

 

 


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