Konrad I. bis Otto I.

 

Konrad I. (911-918)

Nach dem Tod des letzten Stammeskönigs des Ostreiches wählten die deutschen Stammesherzöge und der Adel (außer Lothringen) erstmals einen König aus ihrer Mitte, statt die Krone einem der überlebenden Karolinger anzutragen.
 
Das neue deutsche Königtum wurde somit durch eine Wahl begründet.
Im deutschen Königtum gehen seitdem Wahlrecht und Geblütsrecht eng miteinander. Im Unterschied zu England und Frankreich ist das deutsche Königtum keine Erbmonarchie.
Trotz dieser Zäsur lebte die Erinnerung an das fränkische Königtum jedoch hartnäckig fort. So fanden die Königswahlen auch in Zukunft noch auf fränkischen Boden statt und die deutschen Könige betrachteten sich als Nachfolger der Karolinger.
 
Der neue König wurde Konrad von Franken.
Konrad I. versuchte, sich die mächtigen Stammesherzöge noch einmal zu unterwerfen und bemühte dazu die alte Verbündete des Königtums - die Kirche - welche ihre Besitztümer durch die erstarkenden Partikulargewalten bedroht sah.
Die Kämpfe des Königs im Inneren des Reiches vor allem mit Sachsenherzog Heinrich und Arnulf von Baiern schwächten das Reich gegen seine äußeren Feinde, die Ungarn, welche die Grenzregionen ständig mit Überfällen plagten.
Auf dem Sterbebett übersandte Konrad jedoch 919 trotz allen Streitigkeiten die Reichsinsignien seinem ehemaligen Erzfeind Heinrich von Sachsen und handelte somit im Sinne eines starken Königtums.

 

Heinrich I. (919-936)

Heinrich von Sachsen schlug jedoch die ihm vom Mainzer Erzbischof angetragene Salbung und Krönung aus, um sich zunächst die Anerkennung durch die Großen des Reiches zu erkämpfen.
Er erreichte mühsam die Anerkennung Baierns und Schwabens und gegen Verzicht auf Lothringen auch die des französischen Königs Karl des Einfältigen. Durch eine List konnte er jedoch 928 Lothringen zurückgewinnen und die Anerkennung seiner königlichen Oberhoheit durch den lothringischen Herzog sichern, den er zu seinem Schwiegersohn machte. 935 wurden seine Besitzansprüche dann auch vom westfränkischen König Rudolf anerkannt.

Unter Heinrichs I. außenpolitischen Erfolgen stechen die Siege gegen die das Reich ständig bedrohenden Ungarn am meisten hervor. 926 gelang es ihm einen entscheidenden Schlag gegen einen ihrer Angriffe, der zu einer Waffenruhe führte. 933 schließlich konnten sie in einer vernichtenden Schlacht gegen bei Riade an der Unstrut besiegt werden.
Um das Land in Zukunft besser sichern zu können, sorgte der König für die Anlage von Burgen zum Schutz vor Ungarn und aufständigen Slawen (z.B. Meissen an der Elbgrenze). 926 erließ er eine Burgordnung, die den Aufbau von Burgen für Versammlungen und als Auffanglager im Krieg regeln sollte.
Darüber hinaus besiegte er die Elbslawen im heutigen Brandenburg und erreichte durch einen Zug gegen die Böhmen die Huldigung des (später heiliggesprochenen) König Wenzels. Gegen die Dänen errichtete er im Norden eine Mark.
Heinrich I. verband seine Kriegszüge mit einer Mission der unterworfenen Gebiete; die heidnischen Grenzvölker sollten so ins Reich integriert werden. So erzwang er 935 die Annahme des Christentums durch den Dänenkönig Knut.

 

Otto I. (936-973), gen. der Große

Kurz vor seinem Tod bestimmte Heinrich I. 936 seinen Sohn Otto aus zweiter Ehe zum Nachfolger. Dieser hatte nach seiner Krönung jedoch jahrelang um die Anerkennung durch seine Brüder Heinrich und Thankmar zu kämpfen, die ihn zwischen 938 und 941 in einem zähen Bruderkrieg banden. Erst als Otto - unterstützt durch außerordentliche Glücksfälle, die man als Gottesurteile interpretierte - in diesem Zwist als Sieger hervorging, gewann er die endgültige Anerkennung aller Fürsten seines Reiches.
 
Als erster westfränkischer Herrscher seit langem wandte sich Otto I. wieder nach Italien, welches nominell mit der Kaiserkrone verbunden war. 951 schaltete sich der König aktiv in die italienische Machtkämpfe ein, wo seit 875 das Chaos tobte, nachdem ihn der Hilferuf Adelheids, der Witwe des italienischen Machthabers Lothar von Brugund, ereilte, welche sich durch den neuen Langobardenkönig Berengar von Ivera bedroht sah. Otto heiratete 951 Adelheid und machte sich in Italien zum "Rex Francorum et Langobardorum". Berengar leistete Otto I. 952 den Treueeid und erhielt Italien als Lehen.
 
952 hatte Otto I. erneut mit einer Verschwörung zu kämpfen, die sich diesmal um seinen Sohn Liudolf formierte, mit dem Ziel, Liudolfs Nachfolge zu sichern. Das Glück schlug auf OttoI. Seite um, nachdem die Verschwörer unvorsichtiger Weise mit den Ungarn Kontakt aufnahmen und viele Verbündete von ihnen abfielen. Die Verschwörer mussten sich ergeben und wurden ihrer Herzogtümer entkleidet.
 
Otto I. außenpolitischen Erfolge beseitigten schließlich jeglichen Zweifel an seiner Königsrolle.
Nachdem schon sein Vater das Reich erfolgreich gegen die Ungarn geschützt hatte, schlug nun die Stunde der endgültigen Entscheidung gegen dieses kriegerische Volk. 955 zog ein geschlossenes deutschen Heer unter der Führung des Königs gegen die Ungarn auf dem Lechfeld und errang einen endgültigen und dauerhaften Sieg. Die Ungarn wurden in Folge endlich sesshaft und nahmen das Christentum an.
Auch gegen die aufständigen Slaven im heutigen Mecklenburg errang der König im selben Jahr einen vollständigen Sieg, der eine großangelegte Missionierung einleitete. Es wurden die Bistümer Havelberg und Brandenburg (948), sowie Meissen, Zeitz und Stargard-Oldenburg (968) gegründet, welche alle dem Erzbistum Magdeburg unterstellt wurden. Schon 936/37 hatte Otto I. neue Grenzmarken eingerichtet.
 
961 schaltete sich der König auf Hilferuf des Papstes Johannes XII. hin erneut in die italienische Politik ein. Otto I. sollte nach Willen des Papstes gegen König Berengar ziehen, der nach Gutdünken Bischöfe einsetzte, was (außer dem deutschen König in seinm eigenen Reich) nur dem Papst zustand, und ihn in die Schranken weisen. Für seine Unterstützung wurde Otto I. 962 in Rom zum Kaiser gekrönt. Im "Pactum Ottonianum" bestätigte Otto I. die Pippinische Schenkung und erhielt dafür das Zugeständnis, das alle zukünftigen Päpste vor ihrer Wahl zu einem Treueid gegenüber dem Kaiser verpflichtet seien.
Johannes XII. brach seinen Eid jedoch rasch, weshalb er 963 durch eine Synode unter Leitung des Kaisers auf Grund seines "unheiligen" Lebenswandels abgesetzt wurde. Trotzdem konnte Otto I. erst nach langen Kämpfen seinen Kandidaten endgültig etablieren.
966 musste er erneut nach Italien ziehen, um Papst Johannes XIII. zu schützen, der vom Stadtadel schwer mishadelt worden war. Nachdem er gegen die Täter furchtbar ins Gericht gegangen war blieb er diesmal ganze 6 Jahre um "seinen" Papst zu festigen.
Dabei ließ er seinen kleinen Sohn Otto, den er schon 961 hatte zum König krönen lassen, zum Mitkaiser krönen.
Als Krönung seines Lebenswerkes strebte Otto I. nun noch nach der Anerkennung des byzantinischen Ostkaisers, welches er mit kriegerischen und diplomatischen Mitteln zu erreichen suchte. Eine Beschwichtigung seitens des bedrängten Ostkaisers stellte schließlich 972 die Verheiratung Otto II. mit Theophanu dar, die jedoch nicht, wie erwartet eine Purpurgeborene, sondern eine nahe Verwandte des byzantinischen Kaisers war.
Bald nach seiner Rückkehr nach Deutschland starb Otto I. 973.
 
Stichwort: Reichskirchenpolitik
Seit den Ottonen bis Ende des 11. Jahrhunderts versuchten die deutschen Könige, sich besonders auf die Bischöfe zu stützen, um so ein Gegengewicht gegen die Herzöge zu bilden. Da die Bischöfe keine Nachkommen hatten, fiel deren Besisitz nach ihrem Tod bald an die Krone zurück. Somit waren sie verlässlicher und ihre Nachfolge im Gegensatz zu sonstigen Territorialherren kontrollierbar. Daher wurden sie mit immer größeren weltlichen Rechten und Besitz ausgestattet. Vor diesem Hintergrund war aus für die deutschen Könige strategisch äußerst wichtig, dass das Investiturrecht (=das Recht einen Bischof einzusetzen) in ihrern Händen blieb. Von daher rührt auch zum Teil die Bedeutung der Kaiserkrone, denn der Kaiser galt als "Stellvertreter Gottes".
 

 

 


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