OttoII. bis Heinrich II.

 

 

Otto II. (973-983)

Auch Otto II. musste sich trotz seiner Kaiserkrönung die Anerkennung der Fürsten und übrigen Herrscher erst durch jahrelange Kämpfe gegen seinen Vetter, Heinrich den Zänker von Baiern und den französische König, welcher Lothringen zu erobern versuchte, erringen.
980 unternahm der Kaiser einen Italienzug, um in den erneut aufgeflammten Streitigkeiten um den Papstthron Ruhe zu stiften. Mittlerweile gefärdeten hier die Sarazenen, welche von Sizilien aus schon nach Süditalien vorgedrungen waren, den Machtbereich des Kaisers und der Kirche. Ein Kriegszug, den Otto II. 982 gegen sie unternahm scheiterte jedoch kathastrophal.
Währenddessen kam es - ermutigt durch die lange Abwesenheit des Kaisers - in der östlichen Grenzregion des deutschen Reiches erneut zu Slawenaufständen, wobei große Teile der erst jüngst unter Otto I. eroberten Gebiete wieder verloren gingen.
Kurz nachdem der Kaiser 983 seinen kleinen Sohn Otto in Verona zum König hatte wählen lassen, starb Otto II.

 

Otto III. (983-1002)

Nach dem frühen Tod Otto II. übernahmen die Mutter Theophanu und nach deren Tod die Großmutter Adelheid die Vormundschaft über den kleinen König. Diese sorgten, mit Hilfe seiner berühmten Lehrer Bischof Bernward von Hildesheim und Gerbert von Aurillac für eine hervorragende Bildung des begabten Kindes.

 
995 übernahm Otto III. mit 15 Jahren die Machtgewalt. Der junge König träumte von einer "Renovatio imperii Romanorum", was sich unter anderem in seiner Verehrung Karl d. Gr. äußerte, dessen Grab er öffnen ließ. Nach seinen Vorstellungen sollte eine vereinte christliche Herrschaft mit Rom im Zentrum entstehen, die Deutschland, Italien und die slawischen Länder unter sich vereinen sollte.
Schon im Jahr seiner Regierungsübernahme zug Otto III. zum ersten Mal nach Italien, um in den Papststreitigkeiten erneut Ruhe zu schaffen. Um weiteren Streitigkeiten vorzubeugen setzte er seinen Neffen Bruno als Gregor V. zum (ersten deutschen) Papst ein und ließ sich von diesem 996 zum Kaiser krönen. 997 musste er ihn aber schon auf einem erneuten Italienzug gegen einen Gegenpapst verteidigen. Zu Gregor V. Nachfolger machte Otto III. nach dessen Tod seinen alten Lehrer Gerbert von Aurillac (Silvester II.), welcher dem Kaiser seinerzeit die Idee der Wiedererrichtung des römischen Reiches eingepflanzt hatte.
 
Zur polnischen Geschichte hat Otto III. eine besondere Beziehung, da er 1000 in Verehrung seines als Märtyrer verstorbenen Freundes, des Heiligen Adalbert, das Erzbistum Gensen mit dem Unterbistümern Kolberg, Krakau und Breslau einrichtete, was die Begründung einer polnischen Reichskirche bedeutete. Dass diese Bistümer nicht Magdeburg unterstellt wurden, sondern in Gnesen ein selbstständiges Erzbistum entstand, war für die Politik seiner Zeit ungewöhnlich, läßt sich aber in Otto III. Idee eines geeinten christlichen Reiches begründen, in dem das deutsche Reich nicht mehr die Vorrangstellung beanspruchen konnte.
Für den polnischen Herzog Boleslaw I. Chorbry ("Der Tapfere"), dessen ehrgeiziges Ziel die Errichtung eines geeinten westslawischen Reiches war, bedeutete dies ein wichtiger Schritt in Richtung eines unabhängigen Königtums. Dass der mit dem Herzog befreundete Otto III. Polen faktisch als selbstständigen Staat anerkannte, lag nicht auf Linie der sonstiger deutscher Königspolitik, welche sich sonst eher bemühten, die slawischen (und den dänischen) Herrscher unter ihrer Oberherrschaft zu halten.
 
Die eintretende Entfremdung Otto III. mit dem deutschen Reich führte zum Unwillen der deutschen Fürsten, die nun auf Heinrich von Baiern, den Sohn des "Zänkers" setzten. Auf seinem dritten Italienzug 1000/1001 fielen nun auch die geliebten Römer vom Kaiser ab und erhoben sich in Aufständen gegen seine Obergewalt.
Als Otto III. 1002 kinderlos an einer Krankheit starb, wählten die deutschen Fürsten ihren Favouriten Heinrich von Baiern zum König, der, nachdem der Widerstand von Seiten Ekkehards von Meissen und Hermann von Schwaben gebrochen war, im selben Jahr gekrönt wurde.

 

Heinrich II. (1002-1024)

Heinrich der Baier war als Urenkel Heinrich I. der nächste Anverwandte Otto III. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger war er ein "Realist auf dem Thron", der fast von Anfang an eine unangefochtene Stellung unter den deutschen Fürsten genoss. Seine Herrschaft war - nach dem Stichwort "Renovatio imperii Francorum" - gezeichnet durch eine politische Rückbesinnung auf das deutsche Kernland und die straffe Unterordnung der Kirche als Basis der Königsherrschaft.
Heinrich II. führte die Reichskirchenpolitik der Ottonen intensiv weiter, durch eine eigenstänge Besetzung der Bischofsstühle, die Wiedererichtung des Bistums Merseburg und die Gründung des Bistum Bamberg 1007. Ein ähnlich souveränes Vorgehen legte er gegenüber dem Papst zu Tage, als er 1013/14 die üblichen Streitereien um die Besetzung des päpstlichen Stuhls nach dem Vorbild Otto III. kurzerhand mit Einsetzung des ihm treuen Benedikt VIII. entschied, der ihn dann 1014 zum Kaiser krönte.
 
Italien war während seiner Regierungszeit jedoch nur ein Nebenschauplatz: dies demonstrierte Heinrich II. auf seinem ersten Italienzug 1004, als er, nachdem er den italienischen Gegenkönig Armin von Ivrea besiegt hatte, das Land im Chaos zurück ließ. 1021/22 kam er dem Papst gegen die Sarazenen zu Hilfe, die er diesmal aus Süditalien vertreiben konnte.
Zur äußeren Herausforderung des deutschen Reiches wurde das Expansionsstreben Boleslaw I. Chorbrys (siehe oben). Durch seinen Anspruch auf Böhmen 1004-1017 fesselte der polnische Herzog das deutsche Reich in drei langen Kriegszügen, die schließlich mit Verschiebung der polnischen Grenzen nach Westen endeten. 1024 sollte Boleslaw mit päpstlicher Hilfe die langersehnte Königskrone bekommen.
 
Die cluniazenische Reformbewegung fiel noch in die Regierungszeit Heinrich II., hatte aber hier aber noch keine weitere Auswirkung, da Heinrich II. schon 1024 starb. In Zukunft sollte sie die Stellung des deutschen Königs gegenüber der Kirche jedoch schwer erschüttern.

 

 


zurück

home

weiter