Das deutsche Königtum auf dem Höhepunkt seiner Macht - Konrad II. und Heinrich III.

 

 

Konrad II. (1024-1039)

Nach dem Aussterben der Sachsenlinie wählten die deutschen Fürsten einen Franken zum neuen König. Durch Historiker erhielt dieses Geschlecht später den Namen "Salier", wohl als Erinnerung an den fränkischen Stamm des Königs Chlodwigs. Konrad II. war ein Außenseiter aus einer herabgekommenen Adelsfamilie, der sich aber als König durch große Entschlossenheit Ehrfurcht verschaffte. Sein Gerechtigkeitssinn verschaffte ihm zudem beim einfachen Volk über Lebzeiten hinaus große Beliebtheit.
Um die Kontrolle des Königs über die Geschehnisse im Reich zu verbessern, stärkte Konrad II. den Stand der Ministerialen. Ursprünglich Unfreie, die von ihren Herren zu Waffendiensten herangezogen worden waren, entwickelten sie sich im 11. Jahrhundert zu einem eigenständigen Stand, der zu einer verlässlichen Stütze der Königsherrschaft wurde. Nachdem sie langsam in den niederen Adel aufgestiegen waren, erhielten sie durch Konrad II. die Erblichkeit ihrer Lehen.
Der König bemühte sich zeitig um Sicherung seiner Nachfolge und eine günstige Heiratspolitik. Schon 1028 ließ er seinen erst elfjährigen Sohn Heinrich zum König krönen und 1036 mit der Tochter des dänischen Königs Knut d. Großen verheiraten, dessen mächtiges Reich damals Dänemark, Norwegen und England vereinte - eine Partie, die Konrad sogar die Abtretung der Mark Schleswig an die Dänen wert war. Wenig später zerfiel Knuts Großreich jedoch wieder.
 
Außenpolitik
Konrad II. suchte einen friedlichen Ausgleich mit den Ungarn, denen er 1033 einen Gebietsstreifen beidseitig der Donau zusicherte. In nur einer Generation gelang es dem Magayrenherzog Waik, der sich taufen ließ und zu König Stephan I. (der Heilige) wurde, das ungarische Volk zur Sesshaftigkeit zu führen und mit Hilfe der Deutschen zu Christianisieren.
 
Der Beginn von Konrads Regierungszeit viel mit der ersten Blüte des polnischen Königstum zusammen, welches seine Macht gewaltig zu expandieren suchte. Boleslaw I. Chobry hatte sich Böhmen und Mähren unterworfen und zum König über ein Reich zwischen Oder, Böhmerwald und Kiew erhoben. Dabei kam er natürlich in Konflikt mit dem deutschen Reich, welches seinerseits stetig nach Osten zu expansieren suchte.
Unter Konrad II. kam es zum Krieg mit Boleslaws Nachfolger Miesko II., wobei er die Unterstützung des Böhmenkönigs Bretislav I. hatte, welcher Böhmen und Mähren wieder Polen entrissen hatte. Unterstützt durch innere polnische Zwistigkeiten wurden die Marken Meissen und die Niederlausig zurückerobert. Später wurden auch Pommern und Schlesien von Polen abgespalten; Miesko II. musste schließlich die Königswürde ablegen.
 
Konrad II. persönlicher Erfolg war die Erwerbung Burgunds für seine Hausmacht, welches ihm durch einen Erbvertrag zugesichert wurde. 1033 wurde er zum burgundischen König gekrönt.
 
Wachsendes Autonomiebestreben der italienischen Städte
Konrad II. Zug nach Italien zur seiner Kaiserkrönung 1027 stieß auf erbitterten Widerstand der italienischen Städte, welche nach Autonomie von der königlichen Herrschaft strebten. Pavia wurde vom König gewaltsam eingnommen, in anderen Städten kam es zu Kämpfen.
Aufstände der Valvassoren - kleiner Lehnsnehmer - gegen den hohen Stadtadel, bewegte Konrad 1037-38 zum Eingreifen in Italien, was erneut das patriotische Sentiment der Italiener heraufbeschwor. Der Kaiser entschied sich auch in Italien gegen die Stadtherren, zu den auch seine treuesten italienischen Anhänger gehörten, und für den niederen Adel, dessen Lehnsbesitz er 1037 erblich machte.
 
1039 starb Konrad II. an der Gicht und wurde im Dom zu Speyer beigesetzt, den er als Familiengrabstädte hatte errichten lassen.

 

Heinrich III. (1039-1056)

Konrads Sohn Heinrich trat ein gesichertes Erbe an und schaffte es souverän über das deutsche Reich, Burgund und Italien zu herrschen. Als überaus frommer Herrscher, der sich allerdings traditionsgemäß als Theokrat betrachtete, unterstützte er mit aller Kraft die vom Kloster Cluny ausgehende Kirchenreform, als deren Hauptaufgabe Heinrich III. den Kampf gegen die Simonie (kirchlichen Ämterkauf) sah. Cluny war eine Gründung der Familie seiner zweiten Gemahlin Agnes von Aquitanien und Poitou.
 
Ostpolitik
Unter Heinrich III. überfiel diesmal Herzog Bretislaw von Böhmen Polen mit dem Ziel, ein unabhängiges Reich aller christlicher Westslawen zu errichten. Das Eingreifen Heinrich III. endete mit der Unterwerfung des böhmischen Herzogs unter die Oberhoheit des Reiches und dessen Verzicht auf die polnichen Eroberungen.
Heinrich III. Eingreifen in ungarische Thronstreitigkeiten resultierte die Unterwerfung auch der Ungarn unter deutsche Oberherrschaft. 1058 muss jedoch Ungarns Unabhängigkeit definitiv anerkannt werden.
1040 gründete Heinrich III. die spätere Reichsstadt Nürnberg als Ausfallpunkt für Ostfeldzüge; unterhalb der Königsburg entwickelte sich die Siedlung, die zur Drehscheibe im Ost-Westhandel wurde.
 
Kirchenpolitik
Eines der vorrangigen Anliegen des Königs war der Kampf gegen die Simonie (siehe oben). 1046 ließ Heinrich III. auf drei Synoden in Pavia jeden Kauf oder Verkauf von kirchlichen Ämtern mit einem Bannspruch belegen und alle drei(!) damals gleichzeitig regierenden Päpste absetzen. Von dem neu eingesetzten Papst Clemens II. ließ er sich darauf hin zum Kaiser krönen.
Um das Papsttum von dem übermäßigen Einfluss des römischen Stadtadels zu befreien, ließ sich Heinrich III. zum Patricius von Rom ernennen, womit er die ausschlaggebende Stimme bei der Papstwahl erlangte. Die Folge war aber lediglich eine Reihe kurzlebiger deutscher Päpste, die in Rom äußerst unbeliebt waren.
Noch zu Zeiten Heinrichs III. begann die Emanzipierung der Kirche von der weltlichen Herrschaft, die sich in einem gewaschsenen Selbstbewusstsein gegenüber dem königlichen Herrscher niederschlug. Mit seiner Kirchenreform leistete Heinrich III. einen wichtigen Beitrag für den Erfolg der Cluniazenser Reformbewegung, die unter seinem Sohn Heinrich IV. zur Spaltung von Kirche und Staat führen sollte.
 
Eine neue Macht in Italien - die Normannen
Unter Heinrich III. tauchte in Italien eine neue Macht auf: Die als Söldner für Langobardische Fürsten kämpfende Normannen fassten Fuß in Süditalien und verdrängten zunehmend Byzanz. 1047 ließ Heinrich III. sich von ihnen huldigen und bekräftigte ihre Besitzungen. Als der Papst Leo IX. gegen die Normannen ohne kaiserliche Unterstützung in den Krieg zog und eine furchtbare und peinliche Niederlage erlitt, zeigten die Normannen unter Robert Guiscard (gest. 1085), dass sie nun die Herren in Unteritalien waren. Schließlich erfolgte eine Verbündung des Papsttums mit den Normannen zum Schaden des deutschen Kaisers.
 
Reichspolitik
Zur heimlichen Hauptstadt des Kaisers wurde Goslar, die reichste sächsische Stadt, gelegen nahe reicher Silberminen im Harz.
Heinrich III. erlangte die Feindschaft des Adels, besonders aber der Sachsen, v.a. da der Kaiser die kirchlichen Würdenträger auf Kosten des niederen Adels entlastete und förderte. gegen Ende seiner Regierungszeit sah sich Heinrich III. daher mehreren Verschwörungen des Adles ausgesetzt. Sein plötzlicher Tod 1056 hinterließ seinem zwar 1054 zum König gekrönten, aber erst sechsjährigen Sohn Heinrich eine schwierige Nachfolge.

 

 


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