Die Zeit des Investiturstreits

 

 

Heinrich IV. und der Investiturstreit (1056-1106)

Vormundschaft über den neuen König führte die Kaiserin Agnes, deren Lehnspolitik die salische Hausmacht jedoch sehr schwächte. Auch gegenüber einem Schisma in der Kirche mit zwei Päpsten zeigte die Kaiserin eine unentschlossene Haltung. 1062 riss der Erzbischof Arno von Köln bei Kaiserwerth die Vormundschaft durch Kidnapping des jungen Königs an sich, musste darin jedoch bald mit dem Erzbischof von Hamburg-Bremen (einem ehrgeizigen Missionar im Nord- und Ostseeraum) teilen.
Nachdem Heinrich IV. vollmündig die Herrschaft übernommen hatte, versuchte er seine Hausmacht zu retten, die immer mehr an den Adel verloren ging, indem er sich beim Kampf auf Ministeriale stützte. Als sich der sächsische und thüringische Adel gegen Heinrich IV. erhob, fehlte zunächst die Unterstützung des Königs seitens der anderen Herzöge; doch kam es schließlich doch zum Sieg des Königtums.
 
Investiturstreit
Der voraussehbare Konflikt zwischen dem deutschen Königtum und dem seit Beginn der cluniazensischen Reformbewegung an Selbstbewusstsein gewachsenen Papsttum entzündete sich schließlich unter Heinrich IV. am Bestreben des Papstes, die Kirche völlig vom Staat unabhängig zu machen.
Mit Gregor VII. (Hildebrand), der 1073 zum Papst gewählt wurde, und Heinrich IV. prallten zwei absolutistische Herrschaftsansprüche aufeinander. In seinem "Dictatus papae" beanspruchte Gregor VII. die alleinige Gewalt des Papstes über die Einsetzung und Begnadigung von Bischöfen sowie die Ein- und Absetzung des Kaisers; sich selbst entzog er aller richterlicher Gewalt und nahm sich das Recht, Untertanen von ihrem Treueeid gegen einen ungerechten Herrscher zu entbinden.
Auslöser des Zusammenstoßes mit dem Heinrich IV. wurde schließlich die Einsetzung von Bischöfen durch den König (Investitur) in Oberitalien. Als der Papst vom König Buße verlangte, antwortete dieser mit einem beleidigenden Schreiben, welches er durch eine deutsche Bischofssynode verfassen ließ. Der Papst erwiederte 1076 mit der Exkommunikation Heinrich IV., was einen schweren Schlag für dessen Stellung als König bedeutete. Dieser reagierte mit einer gezielten politischen Propaganda gegen den Papst, dem er das Recht auf das Papsttum absprach und dagegen seine eigene Gewalt über den Papstthron behauptete.
Die deutsche Fürstenopposition gegen den König nutzte den Kirchenbann, indem sie den König bedrängte und den Papst als Schiedsrichter in den Streitigkeiten um den Königsthron einlud.
Dem König blieb angesichts dieser übermächtigen Bedrohungen nur ein übereilter und für den Papst völlig überraschender Bußgang nach dem päpstlichen Aufenthaltsort in Canossa, um sich vom Bann zu lösen und den Papst von einem Gang nach Deutschland abzuhalten. Dies erreichte er im Januar 1077.
Nach dem Misserfolg ihres Sturzversuches wählten die deutschen Fürsten 1077 Herzog Rudolph von Schwaben zum Gegenkönig - unter Missachtung des Geblütsrechts und Verzicht auf das dynastische Erbrecht, was ein revolutionäres Vorgehen bedeutete.
1080 erging einer erneuter Bannfluch des Papstes an Heinrich IV., der weiterhin Bischöfe eingesetzt hatte, gleichzeitig wurden diesmal auch seine Untertanen von ihrem Treueeid gegen den Herrscher gelöst. Daraufhin kam es im deutschen Reich zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen zwischen den beiden Königslagern. In dieser Situation erschien der Tod Rudolph von Schwaben, dem in einer Schlacht die Schwurhand abgehauen wurde, wie ein Gottesurteil. Dagegen hatte nun der Papst seinerseits gegen einen Rivalen zu kämpfen, den Heinrich IV. durch eine Synode in Brixen hatte einsetzen lassen.
Die gespaltene Fürstenopposition einigte sich auf einen neuen Gegenkönig, der jedoch kaum von Bedeutung war und 1088 starb. 1084 nahm Heinrich IV. Rom ein und ließ sich durch den Gegenpapst Clemens III. zum Kaiser krönen. Der Papst nahm nun Verbindung mit den Normannen auf, welche Heinrich IV. vorläufig aus der Stadt vertrieben; ihre Brutalität bei den folgenden Plünderungen hatte jedoch zur Folge, dass der Papst seinerseits vor dem Unmut der Römer fliehen musste. Gregor VII. starb schließlich noch im selben Jahr in der Verbannung.
Heinrich IV. befand sich nun auf dem Höhepunkt seiner Macht. Jedoch kam es bald zu erneuten Rückschlägen gegen Fürsten, Papst und Italiener. 1090 musste Heinrich IV. erneut auf einen Italienzug gehen, wo weiterhin Gegenpäpste herrschten. Während der Friedenszeit im deutschen Reich wurde Heinrich IV. Sohn Heinrich V. zum König gewählt. Der Kaiser widmete sich nun der Verkündung eines allgemeinen Reichsfriedens.
Sein eigener Sohn, Heinrich V., zwang ihn jedoch 1106 zur Abdankung; bald darauf starb Heinrich IV. Erst 1111 erlangte der Kaiser eine endgültige Bestattung unter kirchlichen Ehren.

 

Heinrich V. (1106-1125)

Nach dem Putsch gegen seinen Vater nahm Heinrich V. dessen Kampf mit dem Papsttum erneut auf. Er bemühte sich in langwierigen Verhandlungen mit dem Papst um einen Ausgleich, was 1111 sogar zu dessen Gefangennahme und der mehr oder weniger erzwungenen Kaiserkrönung Heinrich V. führte.
Mit dem Wormser Konkordat 1122 erreichte er mit Calixt II. endlich einen Kompromiss: Dieser sah eine freie, kanonische Wahl der Bischöfe vor, der Kaiser verzichtete auf die Investitur mit den geistlichen Symbolen Ring und Stab, dafür belehnte dieser aber die deutschen Bischöfe mit weltlichen Besitztümern unter seinem Zepter - wodurch die deutschen Bischöfe praktisch durch den Kaiser ausgewählt wurden, durch den Papst aber bestätigt werden mussten. In Italien und Burgund wurde der kaiserliche Einfluss auf die Bischofswahl dagegen erheblich geschwächt, indem hier die Belehnung der Bischöfe mit weltlichen Gütern erst nach ihrer Weihe erfolgte.
1125 starb Heinrich V. ohne Nachkommen zu hinterlassen und beendete somit die Linie der Salier.

 

 


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