Von Adolf von Nassau bis Heinrich VII.

 

 

Adolf von Nassau, der "Pfaffenkönig" (1292-1298)

Nach Rudolfs Tod lebten die alten Unruhen wieder auf: Der Adel fing wieder an, Privilegien ansich zu reißen und sich untereinander zu befehden.
Mit dem Grafen Adolf von Nassau wählte man einen möglichst unbedeutenden Fürsten zum König. Adolfs Spielraum war sehr gering, er konnte nichts unternehmen, was auf Unmut der Fürsten oder des französischen Königs gestoßen wäre.
Die Fürsten setzten den "nutzlosen" König Adolf schließlich 1297 ab und stellten ihn 1298 in einer Schlacht, bei der er fiel - dabei war Adolf nicht einmal - wie sonst bei solchen Unternehmungen üblich - vom Papst gebannt worden.

 

Albrecht I. (1298-1308)

Gegen reichliche "Schmiergelder" wurde nun doch einstimmig der Habsburger Albrecht I. zum König gewählt, der den Fürsten anfangs zu mächtig gewesen war. Als sich dieser an die große Politik machte, waren Reibereien vorprogrammiert.
Durch maßvolles und realistisches Auftreten erreichte Albrecht I. eine Übereinkunft mit dem französischen König Philipp IV., gen. "der Schöne", über alle Gebietsstreitigkeiten zwischen den beiden Reichen, welche 1300 durch eine Heiratsverbindung zwischen beiden Häusern besiegelt wurde.
Als Albrecht versuchte Holland als erledigtes Reichslehen einzuziehen rebellierten die Fürsten und beschlossen die Absetzung des Königs. Der König konterte indem er alle von den Fürsten an den rheinischen Wasserstraßen eigenmächtig eingerichteten Zölle für ungültig erklärte und zog gegen die Fürsten ins Feld. Die Erzbischöfe und der Pfalzgraf von Rhein kapitulierten; ihre Zölle wurden nicht wieder hergestellt.
Einer Zerschlagung des Kurkollegiums, welche für den Aufbau eines Zentralstaates von Nöten war, stand jedoch der Papst im Wege. Um die päpstliche Anerkennung zu bekommen musste Albrecht weitreichende Zugeständnisse an die Kurie machen. Der Papst übertrug den Kurfürsten das Recht zur Königswahl, und auf sein Bündnis mit dem französischen König musste Albrecht verzichten - Philipp der Schöne war nämlich dabei, Frankreich zu einem streng zentralisierten Staat unter seiner Person auszubauen, ohne dabei die geringste Rücksicht auf die Bedürfnisse der Kirche zu nehmen.
 
Die "babylonischen Gefangenschaft der Kirche"
Kurz darauf kam es aber zum Zusammenbruch des päpstlichen Weltanspruchs: als Papst Bonifatius VIII. Philipp IV. 1309 bannen wollte, brachte dieser den Papst einfach in seine Gewalt, welcher diese Schmach nicht lange überlebte. Sein Nachfolger, Clemens V., zeigte sich kooperativer und ließ sich angesichts unruhiger Verhältnisse in Rom überreden, seinen Sitz nach Frankreich zu verlegen, wo er sich noch im selben Jahr dauerhaft in Avignon niederließ. Damit begann die sogenannte "Babylonische Gefangenschaft" der Päpste in Frankreich, die bis 1377 dauern sollte.
 
Der französische König kündigte nun das nutzlose Bündnis mit Albrecht und verbündete sich mit dem böhmischen König Wenzel II. gegen diesen, mit dem Ziel, seine eigene Familie auf den deutschen Thron zu bringen.
Dem folgte ein Trubel um die ungarische Krone: nach dem Aussterben des ungarischen Königshauses wurde das päpstliche Lehen Ungarn frei - aber nicht der päpstliche Kandidat sondern Wenzel III., Sohn des böhmischen Königs, welcher schon über Polen herrschte, kam auf den Thron.
Dies brachte den Wendepunkt für die Habsburger: Als Papst und König gegen Wenzel oponierten, verzichtete dieser auf die ungarische Krone, und als Wenzel II. und Wenzel III. bald darauf starben, fielen Böhmen und Mähren wieder an die deutsche Krone zurück. Albrecht I. belehnte seinen Sohn Rudolf III. mit beiden Ländern, welcher durch Heirat gleichzeitig Erbanspruch auf Polen erhielt, und auch die Markgrafschaft Meißen rückte für Albrecht in Aussicht.
Damit schienen die Habsburger auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Doch als Rudolf III. schon 1307 starb, musste Albrecht I. die habsburgischen Ansprüche gegen die böhmischen Stände durchsetzen, die einen weiteren Aufstieg der Habsburger nicht mehr dulden wollten. Bevor er viel erreichen konnte, wurde Albrecht selber ein Jahr später durch ein Komplott in seiner Familie unter seinem Neffen Johann von Österreich ermordet.

 

Heinrich VII. von Luxemburg (1308-1313)

Besonders Interesse am deutschen Thron hatte Philipp IV. von Frankreich: Er wollte seinen Bruder, Karl Valois, gekrönt sehen und zählte dabei auf die Unterstützung des unter seiner Fuchtel stehenden Papstes und des jungen Erzbischof Balduin von Trier, Bruder des unter seinem Einfluss stehenden Grafen Heinrich von Luxemburg.
Balduin und der Papst fädelten jedoch heimlich die Wahl Heinrich von Luxemburgs ein - ein Valois auf dem deutschen Thron hätte das Papsttum endgültig unter französische Herrschaft degradiert.
Heinrich VII. war höfisch, gebildet und kulturell her ein Franzose; anders als seine praktisch veranlagten Vorgänger stand er den Städten nicht sehr nahe und griff lieber nach der großen Politik - das bedeutete für ihn: Italien.
1310 belehnte er seinen Sohn Johann mit der böhmischen Krone, nachdem dieser durch Heirat mit einer przemyslidischen Prinzessin den Thronanspruch darauf erhalten hatte und den böhmischen Ständen ihr alter König Heinrich von Kärnten nicht mehr gefiel.
Daraufhin machte sich der König auf einen Italienzug, um dort die alten Ansprüche des Königtums wieder einzufordern. Diesmals stand dabei selbst der Papst auf Seite des Königs, denn er brauchte dringend ein Gegengewicht gegen das übermächtige französische Königtum. Auch viele Italiener begrüßten Heinrich VII. als Friedensstifter, denn in Italien herrschten nach dem Zusammenbruch der päpstlichen Macht ähnliche Zustände wie im deutschen Reich während des Interregnums. Doch auch er wurde bald in den Strudel der Auseinandersetzungen hineingerissen. 1312 wurde er noch zum Kaiser gekrönt, doch bevor er irgendetwas nennenswertes erreichen konnte starb er 1313 an Malaria.

 

 


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© Ulrike Johnson, 14. Juli 2002