Der Übergang zur staufischen Dynastie

 

 

Lothar III. von Supplinburg (1125-1137)

Nachdem Heinrich V. verstorben war, ohne Nachfolger zu hinterlassen, betrachtete sich der Staufe Friedrich von Schwaben, welcher von diesem das königliche Allodialgut (Königs- oder Hausgut, welches an die regierende Dynastie gebunden ist) geerbt hatte, als rechtmäßiger Nachfolger. Auf dem Hoftag wurde jedoch unter Misachtung der dynastischen Erbfolge Heinrich IV. ehemaliger Feind Lothar von Supplinburg zum König gewählt (siehe vorheriges Kapitel). Im Gegensatz zu anderen europäischen Monarchien hatte sich damit im deutschen Reich das dynastische Prinzip nicht gegen das Wahlprinzip behaupten können.
Da Lothar III. nun das sich in staufischem Besitz befindliche Königsgut an sich bringen musste, kam es zum Krieg mit Friedrich von Schwaben. Hinzu kam noch einen Auseinandersetzung mit dem böhmischen Herzog Boleslaw, der Lothars Oberhoheit nicht anerkennen wollte. 1127 erhob die Opposition Friedrichs Bruder Korad zum Gegenkönig, welcher in Mailand gekrönt wurde. Erst als sich der mächtigste unter den Reichsfürsten, der Welfenherzog Heinrich der Stolze, welcher im Streit eine Entscheidungsfunktion hatte, auf die Seite Lothar III. schlug, konnte die staufische Opposition 1129 besiegt und deren Thronanspruch praktisch beigelgt werden.
 
Päpstliches Schisma und königliche Kirchenpolitik
1130 kam es in Rom wieder einmal zum Papstschisma, hinter dem alte Rivalitäten zwischen römischen Patrizierfamien steckten. Bernhard von Clairvaux, der als einflussreichste Kirchenautorität seiner Zeit vom französischen König als Schiedsrichter berufen worden war, entschied sich für Innozenz II., welcher in Rom jedoch nur von einer Minderheit unterstützt wurde. Dem Diktum schlossen sich schließlich auch England und Deutschland an.
Lothar III., der um einen Ausgleich mit der Kirche bemüht war, erwies Innozenz II. als symbolischen Ausdruck seines guten Willen den Stratorendienst, welcher einem Lehnsdienst gleichkommt und versprach dem Papst, ihn wieder in Rom einzusetzen, versuchte aber gleichzeitig, die Investiturfrage wieder aufzubringen.
Der Gegenpapst Anaklet, der sich nun durch eine starke Opposition bedroht sah, verbündete sich wiederum mit den Normannen unter Roger II.. Deren Hilfe erkaufte er mit beträchtlichen Gebietszusprüchen und der Erhebung des normannischen Staates zu einem Königreich, wodurch König Roger päpstlicher Lehnsmann wurde.
Lothar III. zog nach Rom, um Ananklets Anhänger zu vertreiben, und ließ sich 1132 durch Innozenz II. zum Kaiser krönen. Mit den Normannen ließ sich der König jedoch nicht ein, sondern kehrte gleich nach der Kaiserkrönung nach Deutschland zurück.
Als der Innozens II. später durch die Normannen zur Flucht aus Rom gezwungen wurde, musste sich Lothar III. jedoch erneut auf einen Italienzug machen und konnte Roger zu einem Friedensabkommen zwingen - wodurch die normannische Expansionslust jedoch nicht auf Dauer eingedämmt war. Noch auf dem Rückzug nach Deutschland starb Lothar III. 1137 und hinterließ die Nachfolge seinem Schwiegersohn, dem Welfenherzog Heinrich den Stolzen.
 
Ostpolitik
Seine bleibensten Leistungen vollbrachte Lothar III. an der Ostgrenze das Reiches. Bereits vor seiner Königswahl hatte er als sächsischer Herzog die Grundlagen für die Missionierung und Besiedlung von Mecklemburg gelegt.
Albrecht der Bär vom Geschlecht der Askanier wurde mit der Nordmarkt belehnt, die Wettiner mit den Marken Meissen und Lausitz. Beide Geschlechter sollten später als Brandenburg und Sachsen in den Reichsfürstenstand aufsteigen und die Kurwürde erlangen.
Dänemark wurde zum deutschen Lehensstaat.

 

Konrad III. (1138-1152)

Wieder wurde nicht der Königserbe Heinrich der Stolze zum König erhoben - der war den Fürsten mittlerweile zu mächtig geworden - sondern die Gegner der Welfen (wozu wie schon bei Friedrich von Schwaben die Reformkirche und die Mehrheit der deutschen Fürsten gehörte) organisierten nun die Königswahl Konrad von Schwaben - dem ehemaligen Gegenkönig Lothar III.!
Nachdem ein Reichstagsbeschluss dem Welfen Heinrich nun auch noch seine Herzogtümer Sachsen und Baiern entzog, kam es zu einem Bürgerkrieg, wobei Heinrich durch den sächsischen und baierischen Stammadel unterstützt wurde. Der Akt gegen Heinrich den Stolzen wurde mit einem Gesetzt begründet, welches nur den Besitz eines Herzogtums erlaubt - der eigentliche Grund war aber die Übermacht des Welfen gegen Konrad III.
Der Konflikt konnte nach Heinrichs Tod schließlich soweit beigelegt werden, dass die Askanier, welche Sachsen erhalten hatten, zugunsten Heinrichs d. Stolzen Sohn, Heinrich d. Löwen, auf das Herzogtum verzichteten und der Babenberger Heinrich Jasomirgott, Markgraf von Österreich und Herzog von Bayern, dessen Mutter heiratete. Trotzdem bedeutete dies noch nicht das Ende der Fehde zwischen Babenbergern und Welfen, da Welf IV. Heinrich Jasomirgott als Herzog nicht anerkannte und diesen - mit finanzieller Unterstützung Roger II. von Sizilien - weiter befehdete.
 
König und Fürsten
Unter Konrad III. zeigte sich, wie wenig Spielraum der König auf Grund seiner schmalen Machtbasis (und Mangel an Geldmitteln) eigentlich hatte. Die Fürsten strebten danach, Privatbesitz und Lehen zu einheitlichen Territorien zu veschmelzen und so ihre Macht und Unabhägigkeit vom Zentralherrscher stetig zu vergrößern.
Da die Fürsten zudem daran arbeiteten das Prinzip des Wahlrechts bei der Königserhebung zur Regel zu machen, hatten die Könige es schwer flächendeckende Königsterritorien aufzubauen (die also nicht an Lehnsherren verteilt wurden, sondern direkt dem König unterstanden), die wie in anderen europäischen Zentralstaaten dynastisch vererbt werden mussten, um dem König langfristig eine Oberhand über die Fürsten im Reich zu verschaffen.
 
Zweiter Kreuzzug
Während Deutschland mit dem Investiturstreit beschäftigt war, hatte Papst Urban II. ein europäisches Kreuzfahrerheer (v.a. bestehend aus Franzosen und Normannen) zum Angriff gegen die seldschukischen Türken mobilisiert, welche das Heilige Land von den Ägyptern erobert hatten und Byzanz bedrängten. Auf diesem Ersten Kreuzzug konnte das Heilige Land zwischen 1196 und 1199 in einem chaotischen Unternehmen zurückerobert und in christliche Kleinstaaten unter Oberhoheit europäischer Fürsten eingeteilt werden; wurde jedoch bald wieder bedroht.
1144 rief daher Berhard von Clairvaux erneut zum Kreuzzug auf. Im Rheinland und in Flandern kam es zu Judenprogromen. Diesmal gelang es auch den deutschen König, Lothar III., zur Teilnahme zu bewegen; zum Nachfolger und Vertreter in seiner Abwesenheit ernannte er seinen Sohn Heinrich. Zweiter Hauptteilnehmer war der französische König Ludwig VII. Doch das so vielversprechend begonnene Unternehmen endete 1149 an Streitereien und Unfähigkeiten der Teilnehmer völlig ergebnislos.
Nach dem Kreuzzug war Europa in zwei Lager gespalten, bei dem auf der einen Seite Roger II. von Sizilien, Welf IV., Ludwig VII. von Frankreich, Ungarn und teils der Papst standen, auf der anderen Byzanz, Konrad III., die Babenberger (Österreich), Venedig und Pisa. (Mehr...)
 
Der Wendenkreuzzug
Einige norddeutsche Fürsten (daneben Polen, Dänemark und Böhmen) erhielten die Erlaubnis, statt ins Heilige Land gegen die heidnischen Wenden jenseits der Elbe ziehen zu dürfen. Während es jedoch das vorrangige Ziel Berhards von Clairvaux war, die Wenden zu bekehren, ging es den deutschen Fürsten freilich eher darum, deren Gebiet für sich zu erobern, welches seit dem großen Slawenaufstand von 983 wieder unabhängig war (etwa zwischen Kiel, Elbe, Magdeburg, Berlin, Warthemünde, Stetin und Usedom; bewohnt von Abodriten, Wilzen und Liutizen). Um Christianisierung ging es dagegen in Wirklichkeit weniger dringlich, da die Eroberung von christlichem Gebiet problematisch gewesen wäre.
Der sogenannte Wendenkreuzzug war ein grausames Unternehmen, welches mit der Unterwerfung der Wendenfürsten endete und das Gebiet zwischen deutschem Reich und Polen für die Integrierung ins Reich und Missionierung öffnete. Die eroberten Gebiete wurde vorrangig mit Friesen, Holländern, Rheinländern und Westfalen besiedelt; mit armen Leuten aus Gebieten mit hoher Bevölkerungsdichte, die im Osten eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen und sozialen Stellung erhofften. Doch auch die ansässige Bevölkerung und der slawische Adel wurden nicht vernichtet oder vertrieben sondern weitgehend integriert - was man u.a. heute noch an der slawischen Herkunft vieler ostdeutscher Namen und Begriffe ersehen kann (Mehr dazu...).
Der Wendenkreuzzug zeigte, welche Bedeutung jetzt die Fürsten - nicht der König - bei der Erweiterung des deutschen Territoriums hatten.

 

 


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© Ulrike Johnson, letzte Änderung 23. Juni 2002