Barbarossa und Heinrich VI.

 

 

Friedrich I. Barbarossa (1152-1190)

Neuer König wurde Friedrich I., genannt Barbarossa ("Rotbart"), Sohn Friedrich von Schwabens - Konrad III. Bruder und selber einst Thronfavourit bei der Königswahl Lothar III. Erste Aufggabe Friedrichs zum Regierungsantritt war das Land zu befrieden, denn erbitterte Machtkämpfe zwischen Welfen und Staufern hatten das Reich erneut in bürgerkriegsartige Zustände gestürzt. Um die Lösung dieser schwierigen Aufgabe bemühte sich Friedrich I. über die Mittel der Diplomatie. Trotzdem sollten die Spannungen mit dem ehrgeizigen Heinrich d. Löwen nie vollständig beigelegt werden.
Gleich zu Regierungsantritt machte der neue König der Kirche gegenüber seine Prinzipien klar: Den Papst informierte er zwar über seine Wahl, bat aber nicht, wie sonst üblich, um dessen Bestätigung und erklärte, dass er die Rechte der Kirche wahren werde, zugleich aber auch das Römische Reich zu alter Größe reformieren wolle. 1153 schloss der König in Konstanz einen partnerschaftlichen Vertrag mit Papst Eugen III. der die Zusicherung beiderseitiger Hilfe bei äußeren Angriffen vorsah - dabei dachte man in erster Linie an die gemeinsamen Feinde, die Normannen und die "bürgerlichen Revolutionäre" in Rom. Dafür kam die Kurie dem Reich später bei der Um- und Neubenennung von Bischofstühlen entgegen.

 
Emanzipation der italienischen Städte von der kaiserlichen Oberherrschaft
Eine Unabhängigkeitsbewegung in Italien, welches ja nominell zum Reich gehörte, veranlassten Friedrich I. zu fünf Italienfeldzügen, auf denen er mit Gewalt und Diplomatie versuchte, die königlichen Hoheitsrechte gegenüber den italienischen Städte, welche seit langem vernachlössigt worden waren, wieder herzustellen.
Schon bald nach Friedrichs Regierungsantritt kam es zum Ärger mit den aufsteigenden italienischen Städten, welche die Kaiserherrschaft nicht länger dulden wollten. Schon zu Zeiten Konrad III. war es zur Unabhängigkeitsbewegung der italienischen Städte gekommen. Wachsender Reichtum hatte zur Emanzipation des Stadtadels geführt und dem Entstehen autonomer kommunaler Verfassungen geführt, welche die alte Stadtherrschaft der Bischöfe - den Vertretern des Reichskirchensystems - verdrängte. Zur Wahrung ihrer Interessen nach außen schlossen sich die Städte zu verschiedenen rivalisierenden Städtebünden zusammen.
In Rom predigte Arnold von Brescia gegen Papst und die Verweltlichung der Kirche. Der zu Hilfe geeilte Kaiser musste sich und dem vertriebenen Papst erst den Zugang zur Stadt erkämpfen, wo er 1155 zum Kaiser gekrönt wurde. Ein Aufruhr der Republikaner beim Krönungsmahl wurde niedergeschlagen, Arnold von Brescia gefangengenommen und als Rebell und Ketzer gehängt. Statt Rom nun gegen die nahende Bedrohung durch die Normannen zu schützen zog sich Friedrich I., begleitet von weiteren Anfeindungen, durch Verona und Deutschland zurück.
Wegen Mailands Aufständigkeit machte sich Friedrich Barbarossa auf einen zweiten Italienfeldzug, der 1158 mit erfolgreich der Niederwerfung Mailands endete. Im Vorfeld band er Polen und Ungarn wieder an seine Lehnsoberhoheit (und verpflichtete sich damit deren Waffenhilfe).
Der Papst hatte sich inzwischen mit den Normannen arrangiert und eine selbstbewusste Position eingenommen - ein politischer Eklat endete aber damit, dass der Kaiser seinen Gleichstellungsanspruch gegen den Papst auf friedliche Weise durchsetzte.
Ronkalischen Gesetze: Nach dem der Kaiser erfolgreich seine Macht demonstriert hatte, erklärte er alle Regalien, die sich die Städte mitlerweile selber verliehen hatten, als ungültig; nur kaisertreue Städte konnten sich diese zurückkaufen. Dies war ein großer finanzieller Gewinn für den Kaiser und Ursache für den weiter wachsenden Unmut der italienischen Städte. Zudem hatte der Kaiser zur Überwachung der Städte kaiserliche Beamte - die Podestas - eingesetzt.
Als Resultat rebellierten Genua, Cremona und Mailand gegen die kaiserlichen Beschlüsse. Hinzu kamen noch erneute Auseinandersetzungen mit dem Papst, als Friedrich I. nun auch noch die Oberhoheit über den Kirchenstaat beanspruchte. In dieser Situation kam es zu einem erneuten päpstlichen Schisma: die Kardinäle wählten Alexander III., welcher von den meisten europäischen Mächten unterstützt wurde und welcher gegen den erhöhten Machtanspruch des Kaisers in Italien stand; der Kaiser und die mit ihm verbündeten Länder stellten dem ihren Kandidaten, Victor IV., entgegen.
Einen weiteren Prestigebruch erlitt der Kaiser durch sein unbarmherziges Vorgehen gegen das erneut aufständige Mailand, welches er 1162 auf seinem dritter Italienfeldzug in einem Strafgericht zerstörte und zudem dessen Reliquien verteilte - darunter die wertvollen Gebeine der Heiligen drei Könige, für deren neuen Bewahrungsort im Kölner Dom zu diesem Anlass der berühmte Schrein gefertigt wurde.
Friedrich I. Auftreten in Italien bescherte dem Reich ein schlechtes Ansehen in Europa, trat doch der Kaiser, unterstützt durch seinen redegewandten Kanzler Rainald von Dassel, mit dem Anspruch eines Herrschers der gesamten Christenheit auf.
1166 wurde ein vierter Italienfeldzug nötig, denn mittlerweile hatten sich zahlreiche Städte zu einem mächtigen Bund zusammengeschlossen - genannt die Lombardische Liga - deren Ziel das Ende der deutschen Herrschaft in Italien war. Eine Malariaseuche vernichtete den Großteil des Reichsheeres und der Kaiser konnte nur mit Mühe ins Reich zurückkehren.
Ein Ende der italienischen Streitigkeiten brachte erst ein fünfter Italienzug 1174. Zähe Verhandlungen brachten eine gewisse Einigung mit dem Lombardischen Bund sowie die Versöhnung mit Papst Alexander III. und das Ende des Schismas. Langsam gelang es dem Kaiser, sich in Oberitalien durchzusetzen.
1183 schloss der Kaiser einen Kompromissvertrag mit der Lombardischen Liga und erreichte zudem eine Aussöhnung mit Mailand, welches er mit zahlreichen Privilegien bedachte. 1184 gelang ihm auch ein Übereinkommen mit den Normannen, welches er mit der Verlobung seines Sohnes Heinrich VI. mit Konstanze von Sizilien besiegelte.
Auch wenn die Zwistigkeiten zwischen dem Reich und Italien damit momentan beigelegt schienen, so war die endgültige Abspaltung Italiens vom Reich jedoch nicht mehr aufzuhalten.
 
privilegium minus: Österreich geht in die Selbstständigkeit
Um den Konflikt mit den Welfen zu schlichten, hatte Friedrich I. Heinrich d. Löwen schon 1154 Baiern zurückübertragen. Dieses war aber noch in der Hand Heinrich Jasomirgotts. Um diesen zur Rückgabe des ihm übertragenen Lehens zu bewegen, löste der König Österreich aus dem Landesverband heraus und übergab es dem Babenberger als eigenständiges Herzogtum.
Damit verbunden waren revolutionär anmutende Privilegien (privilegium minus): die Ermöglichung der weiblichen Erbfolge und das Recht des Herzogs auf Vorschlag eines Nachfolgers bei Kinderlosigkeit sowie die oberste Gerichtbarkeit des Herzogs; dieser war dem König nun lediglich noch zur Waffenfolge bei Kriegen in benachbarten Gebieten verpflichtet.
Dieses Gesetz war ein wichtiger Schritt in der Entwicklung Österreichs zu einem selbstständigen Staatsgefüge. Er bedeutete ein Signal für die Organisation künftiger Landesherrschaften im gesamten Reichsgebiet.
 
Heinrich der Löwe und Albrecht der Bär
Im Reich arbeitete der Welfe Heinrich der Löwe, mittlerweile Herrscher über Sachsen und Baiern, eifrig am Ausbau seiner Hausmacht und der Aneignung von Lehen und Investiturrechten. So trieb er die gewaltsame Missionierung und Kolonisierung des Ostens voran und unterwarf sich gemeinsam mit dem dänischen König Mecklemburg und Pommern.
Heinrich der Löwe liebte es wie ein königlicher Herrscher aufzutreten; seine Pfalz Dankwartrode in seiner Residenzstadt Braunschweig stand königlichen Bauten in nichts nach. Zusätzliches Prestige verschaffte ihm die Heirat mit Mathilde von England, womit der zum Schwiegersohn des damals mächtigsten Fürsten Europas wurde.
Unter dem mächtigen Herzog wurden zum Aufstieg Lübecks und der spätere Bedeutung Münchens der Grundstein gelegt.
Auch Albrecht der Bär - belehnt mit der Nordmark - expandierte erfolgreich nach Osten. Er kolonisierte das slawische Gebiet östlich der Elbe und nannte sich fortan Markgraf von Brandenburg - somit war der Grundstein für den späteren brandenburgischen Staat gelegt.
 
Im deutschen Reich arbeitete der Kaiser an der Festigung seiner Hausmacht. Es kam zu zahlreichen kaiserlichen Städtegründungen, so die Pfalzen Chemnitz, Altenburg und Zwickau und zum Aufstieg der Pfalzstadt Frankfurt am Main. Die Städte blieben noch unter kaiserlicher Verwaltung, doch eine Entwicklung zur Selbstverwaltung zeichnete sich langsam ab.
 
Sturz Heinrich des Löwen
Die Expansionslust Heinrich des Löwen führte unterdessen zu Machtkämpfen mit seinen Gegnern, in vorderster Linie Thüringen und Brandenburg. Der Kaiser sah sich schließlich zum Einschreiten genötigt: der zu selbstständig und machtbewusst gewordene Heinrich wurde entmachtet. Auf Anlass der Klagen von dessen Gegenern belegte ihn Friedrich I. mit der Oberacht und entzog ihm sein Reichslehen; 1180 eröffnete er einen Reichskrieg gegen den Welfen.
Heinrich des Löwen Reichslehen wurden neu aufgeteilt: das Herzotum Westfalen ging an den Erzbischof von Köln, Sachsen erhielt der Askanier Bernhard von Anhalt, das Herzogtum Bayern an Otto von Wittelsbach. Die Steiermark wurde zu einem selbstständigen Herzogtum erhoben.
Die großen Gewinner im Sturz Heinrich des Löwen war das Reichsfürstentum, welches nun die Fürstentümer des Welfen erhielt und zudem einen mächtigen Konkurrenten los waren. Das Reichsfürstentum sonderte sich zunehmend vom übrigen Adel ab und schwächte damit Reich und König-/Kaisertum. Über längere Zeitraum sollten sie sich zu unabhängigen Territorialherren entwickeln.
 
Der dritte Kreuzzug
Als in Europa die Nachricht eintraf, türkische Seldschuken unter Sultan Saladin hätten 1187 Jerusalem erobert, reagierten die europäischen Mächte geschockt und zeigten plötzliche Einmütigkeit. Ein erneutes großartiges Kreuzfahrerheer aller christlichen Länder sollte aufgestellt werden, um den "Heiden" die heiligen Städten wieder zu entreißen.
Auch der greise Kaiser machte sich an der Spitze eines Heeres auf, doch auf dem Weg in Kleinasien ereignete sich die Katastrophe: Barbarossa ertrank beim Versuch, den Fluss Saleph zu überqueren. Führerlos fiel das große deutsche Heer auseinander.
Auch die restlichen Kreuzfahrerstaaten spalteten sich schließlich an alten Reibereien, noch provoziert durch die auffahrende Art des englischen Königs Richard Löwenherz. Mehr dazu...

 

Heinrich VI. (1190-1197)

Barbarossas Sohn Heinrich trat zunächst ohne Probleme dessen Nachfolge an. Da er durch Erbfall über seine Frau Konstanze von Sizilien auf den Besitz Siziliens hoffte, zog er sogleich nach Italien, um seinen Anspruch dort anzumelden. Auf dem Weg "erkaufte" er sich 1190 die Kaiserkrönung durch die Preisgabe der mit ihm verbündeten Stadt Tusculum, welche mit Rom im Zwist lag.
Für seine Sache sah es aber mittlerweile nicht gut aus, denn der frischgebackene Kaiser wurde von allen Seiten durch Feinde bedroht. In Sizilien war mittlerweile schon Tankred von Lecce zum König gekrönt worden, was mit Duldung des Papstes geschah, denn dieser hatte kein Interesse an einem weiteren Machtzuwachs des Kaisers in Italien. Im Reich probten die Welfen im Verein mit den norddeutschen Fürsten wieder einmal den Aufstand. Und auch Richard von Löwenherz, der sich gerade auf der Rückkehr vom Kreuzzug befand, stand als Verbündeter Tankreds auf der Gegenseite.
 
Der englische König als Geisel
Heinrich IV. schloss daher mit dem französischen König Phillipp II. - ebenfalls ein Gegner des englischen Königs - ein Abkommen, König Richard bei seiner Rückkehr zu fangen. Als dieser von der Verschwörung gewarnt wurde, versuchte er 1194 als Pilger verkleidet in die Heimat zu gelangen - und fiel ausgerechnet dem österreichischen Herzog Leopold V. in die Hände, den er sich auf dem Kreuzzug durch tödliche Beleidigung zum Erzfeind gemacht hatte.
Heinrich VI. "kaufte" den englischen König von dem Babenberger und erpresste ihn dazu, sein Bündnis mit Tankred von Lecce zu lösen, eine riesige Geldsumme als Lösegeld zu zahlen und - als Krönung - sein Reich gegen hohe Zinsen vom Kaiser zum Lehen zu nehmen. Somit geriet England in die Lehensabhängikeit des deutschen Kaisers.
 
Heinrich wird König von Sizilien
So mit ausreichenden Geldmitteln ausgestattet wendete sich Heinrich VI. nun erneut nach Italien, wo ihm diesmal nach Tod seines Thronrivalen die Einnahme Siziliens mühelos gelang. 1194 wurde der Kaiser zum König von Sizilien gekrönt. Danach kehrte er ins Reich zurück, während seine Frau Konstanze als stellvertretend regierende Königin in Sizilien zurück blieb, wo auch der kleine Prinz Friedrich aufgezogen wurde.
1195 starb Heinrich der Löwe und beendete somit die nordwestdeutsche Opposition. Heinrich VI. versuchte nun den Mittelmeerraum unter seinen Einfluss zu bringen, seine Position im Reich zu stärken und die deutsche Königskrone erblich zu machen (schon letzteres scheiterte aber bald).
Nachdem er einen sizilianischen Aufstand niedergeschlagen hatte, erlag er jedoch 1197 einer Krankheit und entließ das Reich in jahrelange Wirren.

 

 


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© Ulrike Johnson, 14. Juli 2002