Die Heiligkreuzkapelle auf der Karlstein

 

Nachdem sie 19 Jahre lang den Blicken gewöhnlicher Sterblicher verschlossen war, ist sie jetzt endlich - zumindest in begrenztem Rahmen - wieder für Besucher zugänglich: Die Heiligkreuzkapelle, Herberge für einige der bedeutendsten Werke der böhmischen Kunst.

 

Die Kapelle bildet das Herzstück der Burg Karlstein, die mit ihren zahlreichen Kapellen und malerischer Architektur selbst schon ein Kleinod darstellt. Als Karl IV. 1348 den Grundstein zu der Anlage legen ließ, hatte er ihr eine außergewöhnliche Rolle zugedacht: sie sollte weder für militärische Zwecke noch als Residenz genutzt werden, sondern diente einzig und allein der Aufbewahrung der Reichsinsignien und der gewaltigen Reliquiensammlung Karl IV.

Die hierzu bestimmte Kreuzkapelle entfaltet dieser anspruchvollen Aufgabe gemäß einen einzigartigen Prunk, welcher durch Edel- und Halbedelsteine und Gold verkleidete Wände dem Zeitgenossen einen Abglanz des himmlischen Jerusalem vor Augen führte.

Der eigentliche Reichtum aus heutiger Sicht sind jedoch die 129, vormals 130 Tafelgemälde, mit Darstellungen von Heiligen, Aposteln, Kirchvätern und Evangelisten. Die Gemälde wurden vor 1365 unter der Leitung Meister Theoderichs wahrscheinlich durch verschiedene Angehörige der Prager Malerzunft hergestellt.

Obwohl die Malerei durch die zeitgenössische Kunst Italiens, Frankreichs und Böhmens beeinflusst ist, entfalten die markantesten Gemälde doch einen ganz eigentümlichen Stil, der von einem weich fließendem Licht und Monumentalität in der Darstellung gekennzeichnet ist. Er verleiht den Figuren einen vergeistigten Ausdruck und gleichzeitig jedoch eine außerordentliche Präsenz, die sie manchmal geradezu aus ihren engen Rahmen ausbrechen lässt.

Die Zeit ist an diesen phantastischen Darstellungen jedoch leider nicht unbeachtet vorübergegangen. Da man wahrscheinlich wegen der Bestimmung der Gemälde als Aufbewahrungsort von Reliquien Tafelmalerei statt Wandmalerei wählte, begann der Maluntergrund durch Witterungseinflüsse bald Veränderungen aufzuweisen, welche die Malschicht stark in Mitleidenschaft nahmen.

1981 wurde die Kapelle daher geschlossen und einer Generalsanierung unterzogen, die bis Juni diesen Jahres andauerte. Seit 1. Juli 2000 ist sie nun wieder für jährlich 12.000 Touristen geöffnet wovon jeweils höchstens 10 auf einmal die Kapelle betreten dürfen. Also unbedingt voranmelden!

 

Reservierungen sollen unter folgender e-mail Adresse möglich sein:

www.rezervace@pusc.cz.

 

Links

Meldung Radio Prag vom 8. Februar 2000

 

 


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Ulrike Johnson, E-Mail: ulrikejohnson@gmx.net