Serie 1: Zeugen aus dem Dunkel. Prähistorische Kunst
Teil 3: Megalithen - Die älteste Architektur

 

Die Architektur ist wohl so alt, wie die moderne Menschheit. Sie begann dort, wo Menschen sich einen künstlichen Schutz vor der Außenwelt bauten. Die ersten Häuser waren aber nur Zelte und für kurze Zeit gebaute Hütten. Erst mit der Sesshaftwerdung von Menschen, begannen sie auch eine haltbare und differenziertere Architektur zu entwickeln. Und sie begannen auch einen neuen Werkstoff zu entdecken - den Stein. Diese ersten Steinbauten waren jedoch keine Wohnhäuser, sondern dienten einem höheren Zweck. Es war ein Werkstoff für die Ewigkeit, und noch heute stehen diese ältesten Bauwerke der Menschheit uns als Monumente einer fernen Kultur vor Augen.

 

Der Wandel von einer Kultur nomadischer Jäger und Sammler hin zu einer sesshaften Bauerkultur bedeutete einen gewaltigen Wandel in Kultur und Gesellschaft der Menschen. Auch die Kunst musste sich unter diesen Gesichtspunkten verändern. Es traten neue Werkstoffe auf, wie die Keramik und später das Metall, man entdeckte das Ornament und abstrahierte Formen. Dafür hatten Kunstformen wie die Höhlenmalerei, zumindest in Europa, ihre frühere Bedeutung verloren.

In Europa entdeckte man in dieser Zeit eine neue Kunst - die Architektur aus Stein. Verteilt auf dem ganzen Kontinent waren gewaltige Felsbrocken zu finden, die durch die Eiszeit dorthin gebracht worden waren. Man nennt sie Findlinge oder Megalithen - was soviel heißt wie "große Steine". Danach fasst man die Kulturen, in denen man aus ihnen baute, unter dem Namen "Megalithkultur" zusammen - eine Kultur die sich über von Irland bis zum Kaspischen Meer über den Großteil von Europa erstreckte.

Was man hieraus baute waren keine Wohnhäuser - diese bestanden aus viel vergänglicheren Materialien. Die Megalithbauten dienten einen besonderen Zweck: sie hatten offensichtlich kultische Zwecke und sind damit Manifestation einer vergangenen Weltanschauung.

Megalithen finden sich in der Zeit zwischen 5000 - 1500 vor Christi; die ältesten in der Bretagne und auf der iberischen Halbinsel, weitere Hauptorte für Megalithen sind die britischen Inseln. Aber auch in Deutschland und Holland gibt es einige - hier ist nur noch ein Bruchteil von dem erhalten, was ehemals existierte.

Ein besonderer Ort der Megalithkultur ist Malta. Hier befinden sich mehrere große Tempelanlagen, die zwischen 4000 oder 3200 und 2500 v. Chr. datieren. Diese Tempel standen offenbar in Zusammenhang mit einem Kult der Muttergöttin - ein ähnlicher Kult wird auch mit der Megalithkultur im überigen Europa in Zusammenhang gebracht.

Am verbreitetsten sind heute Grabkammern aus Megalithen, die sich überall zwischen Ost- und Nordseeküste, Alpen, Bretagne und den britischen Inseln finden. Man legte dazu große Findlinge zu einer Kastenform übereinander und schüttete darüber einen Erdhaufen, der manchen Fällen heute noch gewaltige Ausmaße haben kann. Später nannte man sie "Hünengräber", da solch große Steine wohl nur ein Riesenvolk bewegt haben konnte.

Besondere Rätsel geben Steinformationen auf, die keinem Zweck eindeutig zugeordnet werden können. Steinkreise und Steinalleen wie auch einzelnstehende Menhire (im Deutschen auch als "Hinkelsteine" bekannt) finden sich vor allem in der Bretagne und auf den britischen Inseln. Das berühmte Stonehenge ist nur ein herausragendes Beispiel aus einer Fülle solch rätselhafter Bauten.

Diese Megalithbauwerke zeugen von Geschicklichkeit und Organisation - nur mit der richtigen Technik und dem Zusammenspiel vieler Menschen, konnten solche Bauwerke errichtet werden. Auch mit der heutigen Technik würde es viel Mühe bereiten, diese tonnenschweren Steine zu bewegen und zu transportieren - für die weitaus primitiveren Mittel der Steinzeit war das eine beeindruckende Leistung.

Wahrscheinlich entstanden die Steinbauten in Zusammenhang mit einer Religion, in der jahreszeitliche und astronomische Zyklen und der Ahnenkult eine Rolle spielten. Es ist bekannt, dass in der germanischen, keltischen und etruskisch-römischen Kult solche Dinge eine zentrale Rolle spielten. Der Kreis und die Spirale als Symbole des Zyklus und der Wiederkehr, die bei den megalithischen Steinkreisen und als Gravierungen auftauchen, kann man in diese Richtung deuten.

 

Übrigens gibt es zu diesem faszinierenden Thema ein sehr großes Angebot im Internet. Die untenstehenden Links sind häufig Mitglieder von Internet-Ringen und leiten daher auf andere Seiten weiter. Hier nur eine Auswahl:

 

Links

Megalithic pages
Gute Seite, die zu Megalithen informiert und eine große Sammlung an Fotografien besitzt, die nicht nur die "klassischen" Gegenden, wie Bretagne oder die britischen Inseln umfasst; Glossar und Buchtipps, sowie Untersiete zu "Megalithen in Deutschland".

Stonepages.com (engl. / it.)
Sehr schöne private Seite mit einem großen Fundus an Fotos und kurzen Informationen von europäischen Megalithbauten hauptsächlich auf den britischen Inseln, daneben auch in Frankreich und Italien; jeweils mit Informationen zur Erreichbarkeit. Dazu gibt es jede Menge weiterführende Links und mehrere Foren.

Großsteingräber in Niedersachsen (eine virtuelle Ausstellung)
Schön gemachte Seite, bietet auch Infos zu Literatur und Museen.

Earth mysteries (megalithic sites and mounts), engl.

Prehistoric Temples Of Malta
Die prähistorischen Tempel auf Malta, mit zusätzlichen Links.

Megalithen und andere Steine

 

Wußten Sie schon,

dass in Deutschland wohl 90% der ehemals existierenden Megalithbauten zerstört wurden?

Deutschland besaß früher einen sehr viel größeren Bestand an Steingräbern und Menhiren als heute. Während in der Bretagne und Irland der Volksglaube den Bestand der dortigen Megalithen schützte, betrachtete man sie hierzulande als günstige Steinbrüche bzw. empfand die Anwesenheit der großen Steine als störend.

 

 


zurück zur Kunst der Steinzeit

zurück zu Artikeln

home

Ulrike Johnson, E-Mail: ulrikejohnson@gmx.net