Die Wunder Ägyptens, Teil 2: Echnaton und Nofretete

 

Die Büste der ägyptischen Königin Nofretete im Ägyptischen Museum in Berlin nimmt noch heute jeden Besucher gefangen. Gemeinsam mit anderen faszinierenden Ausstellungsstücken des Museums entstammt diese berühmte Skulptur der einzigartigen, nur siebzehn Jahre dauern Epoche unter der Regentschaft des häretischen Pharaos Echnaton.

 

Im Zeitalter des Neuen Königsreichs (ca. 1579 - 1069 v. Chr.) erreichte das ägyptische Reich seinen politischen und kulturellen Höhepunkt. Eine besonders fruchtbare und interessante Periode der ägyptischen Kunst bildet dabei die nur siebzehn Jahre (1352-1336 v. Chr.) dauernde Regentschaft des häretischen Pharaos Amenhotep IV., besser bekannt als Echnaton.

Der besondere Stil dieser Epoche war mit einer politischen und religiösen Umwälzung unter diesem Pharao verbunden. Die ägyptische Religion ehrte bis dahin ein Pantheon verschiedener Gottheiten mit dem Gott Amun an der Spitze, mit welchem der Pharao besonders verbunden war - letzteres spiegelt sich in den Namen der Pharaonen wieder (z. Bs. Amen-Hotep).

Auch Echnaton folgte zunächst dieser Tradition. In seinem fünften Regierungsjahr jedoch veranlasste er den Umsturz dieser alten Traditionen. Er begründete einen monotheistischen neuen Kult, der allein den Sonnengott Aton als einzige Gottheit anerkannte und änderte dementsprechend seinen Namen in Echnaton.

Die alten Kultbilder der Götter wurden zerstört und mit Akhetaten eine neue Hauptstadt anstelle des alten Theben aus dem Boden gestampft. Anstelle der alten Bilder trat eine Kunst mit einer ganz neuen Freiheit des Ausdrucks und der naturalistischen Darstellung, die in der hochstilisierten ägyptischen Kunst zuvor nicht erreicht worden war.

Der neue Kult ging mit einer Verweltlichung einher, die in der Kunst zu einem neuen Realismus und einer gewissen Individualität in der Darstellung führte. Dieser Realismus machte auch nicht vor Bildnissen des obersten Herrschers halt, dessen Darstellungen bisweilen an den Rand der Karikatur grenzen. Dies ist besonders bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass besonders die Darstellung der Pharaonen in der ägyptischen Kunst traditionell sehr strengen Regeln folgt.

Dagegen zeigen viele Bildnisse der Königin Nofretete ein makelloses Schönheitsideal, das in der berühmten Büste in Berlin einen besonders eindrucksvollen Ausdruck findet. Auch das Familienleben des Pharaos erhielt eine besonderen Stellenwert in der Kunst. Besonders anrührend ist das Relief im Berliner Ägyptischen Museum, welches Echnaton mit seiner Frau und zwei Kindern zeigt, die auf dem Schoss der Eltern sitzen.

Die revolutionäre Ordnung Echnatons sollte jedoch nicht lange andauern. Da im alten Ägypten Religion und politische Macht eng verbunden waren, hatte der Umsturz der alten Traditionen Echnaton viele Feinde geschaffen. Bald nach dem Untergang des Pharaos und seinem mysteriösen Nachfolger(in) stellte sein Sohn Tutenchamun, der sich unter starken Einfluss der alten Eliten befand, die alte Ordnung wieder her.

 

Links

Ägyptisches Museum in Kairo (engl.)
Das Ägyptischen Museums in Kairo besitzt eine breite Sammlung von Objekten des Neuen Königsreichs, zu der auch die berühmte Ausstattung der Grabkammer des Tutenchamun gehört. Die Onlinepräsentation des Museums gibt einen Überblick über die eindrucksvolle Sammlung und bietet Einblicke in die Epochen alt-ägyptischer Geschichte und Kultur, Restaurationspraktiken und einen Überblick über die ägyptischen Gottheiten

Akhet (Religion des alten Ägypten) (engl.)
Für all jene, die sich genauer mit der alt-ägyptischen Religion auseinandersetzen wollen sei diese sehr ausführliche Seite empfohlen.

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung Berlin
Das ägyptische Museum in Berlin beherbergt eine der bedeutesten Sammlungen der alt-ägyptischen Hochkultur. Besonders beeindruckend ist der Bestand von Objekten aus der Regentschaft des Echnaton, zu der auch die berühmte Büste der Nofretete gehört. Leider bietet die Internet-Seite selber wenig Informationen.

The Bust of Nefertete (engl.)
Kleine computeranimierte Seite zur berühmten Büste der Nofretete im Berliner Ägyptischen Museum.

 

Wussten Sie schon,

dass die Grabkammer des Tutenchamun als einzige königliche Grabkammer des alten Ägypten ungeplündert bis in die Neuzeit überlebte?

Dass wir die Inhalte der aufwendig geschmückte Grabkammer das Pharaos heute im Ägyptischen Museum in Kairo bewundern können ist ein Glücksfall der Geschichte. Der Grabkammern der Pharaonen wurden normalerweise in der Vergangenheit geplündert, die Beigaben aus wertvollem Material gingen für immer verloren. Von dem jung verstorbenen Tutenchamun ist sonst wenig bekannt - er war wohl eine eher unwichtige Figur in den Händen seiner Berater.

 

 


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Ulrike Johnson, E-Mail: ulrikejohnson@gmx.net