Die Verwandlung von Paris

 

Das Paris, wie wir es heute kennen und lieben, ist zu einem großen Anteil eine Schöpfung des 19. Jahrhunderts. Damals wurde unter Napoleon III. und dem Prefekten Haussmann der gewaltige Kraftakt unternommen, das mittelalterliche Paris in die modernste Stadt Europas umzuwandeln.

 

Paris war gegen die Mitte des 19. Jahrhunderts eine rasant wachsende Stadt, struktureller, wirtschaftlicher und kultureller Mittelpunkt eines zentralisierten Frankreich und Anziehungspunkt für Immigranten aus dem In- und Ausland. Die großen Weltausstellungen schwemmten Massen von internationalen Touristen in die Stadt. Das neue Eisenbahnnetz machte Paris zu einem gewaltigen Verkehrsknotenpunkt.

Doch diesem modernen Gesicht einer Stadt der industriellen Revolution stand ein enges Korsett aus gewachsener Bebauung gegenüber, welches auf lange Sicht dem Wachstum nicht mehr standhalten konnte. Vor allem das Herz der Stadt um die Ile de la Cité war von hoffnungslos engen, überbevölkerten Strassen überzogen, die schon dem Verkehr der vergangenen Jahrhunderte kaum gemessen waren. Die Wohlhabenderen der Stadt hatten dem Zentrum schon längst den Rücken zugewandt und waren in die luftigeren, modernen Außenbezirke gezogen, während sich in der Altstadt immer mehr die Armen zusammendrängten.

Die Notwendigkeit von Reformen, war schon lange klar, doch erst unter der Regierung Napoleon III. kam es nach Mitte des 19. Jahrhunderts zu durchgreifenden Maßnahmen. Als Neffe Napoleon Bonapartes und Begründer des Zweiten Kaiserreichs wünschte er sich eine moderne und repräsentative Hauptstadt, die der Funktion als Aushängeschild seines neuen Kaiserreiches angemessen war. Dies sollte vor allem durch ein System langer und breiter Straßen erreicht werden, die das Zentrum durchschnitten und es mit den Außenbezirken verbanden.

Den perfekten Mann für die Durchführung seiner ehrgeizigen Pläne fand der Kaiser in Georges-Eugène Haussmann, einem kühlen, ambitionierten und loyalen Bürokraten, der bereit war, dessen Wünsche ohne Rücksicht auf Proteste durchzuführen. Unter seiner Leitung veränderte sich das Gesicht der Innenstadt in Kürze radikal. An Stelle der verwinkelten Gassen traten breite, schnurgerade Alleen mit einer standardisierten Bebauung aus Mietshäusern, die auf weithin sichtbare Monumente als Blickpunkte zuliefen.

Haussmann legte seine neuen Boulevards mit Absicht durch die ältesten Pariser Viertel, deren Bebauung zu großen Teilen dem Abriss zum Opfer fiel. Am gravierendsten fielen diese Maßnahmen im ehrwürdigen Herzen der Stadt, der Ile de la Cité, aus, deren alte Bebauung samt dem mittelalterlichen Königspalast und dem uralten Hospital ohne Not völlig ausradiert wurde. An ihre Stelle traten gewaltige Verwaltungspaläste, Symbole der neuen Ära.

So bedauerlich und überzogen manche dieser Abrissmaßnahmen auch waren, so gelang es Haussmann doch, Paris wieder zu einem funktionierenden städtischen Organismus zu machen. Die Haussmannschen Boulevards wurden zum Sinnbild des Fortschritts und sind noch heute ein Inbegriff von Paris. Dem heutigen Touristen ist es wohl eine grauenvolle Vorstellung, wenn anstelle der großen Verkehrsadern kleine Gassen treten würden. Und viele wertvolle Teile des alten Paris wurden bewusst bewahrt und sind nicht zuletzt deshalb noch heute zu bewundern.

 

Links

Geo Reiseführer Paris
Ein kleiner Reiseführer zu Paris stellt die wichtigsten Highlights der Stadt vor.

 

Wussten Sie schon,

dass der Begriff "Boulevard" vom niederländischen Wort für Stadtbefestigung kommt?

Als Bezeichnung für breite baumbestandene Straßen wurde der Begriff "Boulevard" unter Louis XIV. in Paris geprägt. Der König ließ nämlich die alte Stadtbefestigung von Paris (nl./dt. "Bollwerk" - boulevard) niederreißen und an ihrer Stelle großzügige Flanierstraßen anlegen.

 

 


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Ulrike Johnson, E-Mail: ulrikejohnson@gmx.net