Serie 3: Die Wunder Ägyptens
Teil 1: Die Pyramiden

 

Seit der Antike wurde die Pyramiden der alten Ägypter wegen ihrer Größe und Perfektion als ein Wunder menschlichen Schaffens angesehen. Angesichts der gewaltigen baulichen Leistung zweifeln manche sogar daran, dass sie von Menschen errichtet sein könnten. Bis heute liegt noch vieles über die Erbauer im Dunklen - auch wenn es mit Sicherheit keine Außerirdischen waren.

 

Der Ursprung der ägyptischen Monumentalarchitektur geht auf die ersten zwei Dynastien (ca. 2850-2650 v. Chr.) zurück. Die ersten monumentalen Grabbauten waren Mastabas - Bauten mit flachen Dach und abgeschrägten Seiten, aus denen sich wahrscheinlich die ersten Pyramiden entwickelten - eine Bauform, die ausschließlich den Pharaonen vorbehalten war. Ab der dritten Dynastie (2650-2550 v. Chr.) wurde dann anstelle der vorher gebräuchlichen Baumaterialien Ziegel und Holz erstmals Stein verwendet.

Ihren Höhepunkt erreichte die Pyramidenarchitektur in der vierten Dynastie unter den Königen Khufu, Khafre und Menkaure (2550-2470 v. Chr.) in dem Bau der Totenstadt Gize bei Kairo. Unter jedem der Herrscher wurde ein Pyramidenkomplex errichtet, zu dem neben den Pyramiden auch Tempel und Mastabas hoher Beamter, Priester und Adliger gehörten. Der Bau an jedem der Komplexe begann jeweils mit der Thronbesteigung des jeweiligen Pharaos und endete mit seinem Tod.

Die Pyramiden wurden nach den Sternen um den Polarkreis orientiert, zu welchen nach dem Glauben der alten Ägypter die Pharaonen als Götter nach ihrem Tod zurückkehren würden. Gebaut wurden die Pyramiden aus Granit- oder Kalksteinblöcken, deren Gewicht zwischen unter einer Tonne bis zu 40 Tonnen variierte. Damit baute man zunächst den abgestuften Kern - hauptsächlich das, was wir heute sehen. Dieser wurde dann mit präzise aneinandergefügten, polierten Steinen verkleidet, die heute meist verloren sind.

Den Bau der gewaltigen Monumente bewältigten die Ägypter ohne die Hilfe komplizierter Maschinerien oder Zugtieren allein durch menschliche Kraft. Dabei wurden die großen Steinblöcke über Rampen an ihren Platz geschoben. Für diese schwierige Arbeit wurde eine ganze Armee von Bauarbeitern und Handwerkern benötigt. Schätzungsweise 20.000 bis 30.000 Menschen sollen gleichzeitig auf den Baustellen gearbeitet haben.

Wer waren die Menschen, die diese Riesenprojekte planten und ausführten? Trotz der Berühmtheit der Pyramiden von Gize ist wenig über ihre Erbauer bekannt. Noch weniger als über die Pharaonen der vierten Dynastie wissen wir über die einfachen Arbeiter, die an ihrem Bau beschäftigt waren. Heute geht man davon aus, das es keine Sklaven, sondern einfache, freiwillig beschäftigte, Untertanen waren, die sich hier unter schwierigsten Bedingungen abmühten. Die Arbeiter waren offenbar in Einheiten und Untereinheiten eingeteilt, deren individuelle Namen man heute noch in Inschriften auf den Steinblöcken der Pyramide findet.

Doch warum nahmen Menschen solche Mühen auf sich, um das Grabmahl eines Herrschers zu bauen? Heute kann man darüber nur spekulieren, aber wahrscheinlich spielten religiöse Gründe eine Rolle. Vielleicht erhofften die Arbeiter genau wie Pharaonen und Beamte, deren Gräber sie bauten, durch ihre Arbeit den Eintritt in ein ewiges Leben im Jenseits zu verdienen.

 

Links

Pyramids - The Inside Story (engl.)
Eine Seite von PBS (öffentlicher amerikanischer Fernsehsender). Beinhaltet kurze Artikel und Bilder zu den Pyramiden und der Sphinx sowie Artikel zur Geschichte und Erforschung von Gize.

The Great Pyramid of Giza (engl.)
Artikel zur größten der drei großen Pyramiden von Gize, der Cheobspyramide von König Khufu, die zu den sieben Weltwundern der Antike gezählt wurde. Die Seite enthält auch Links zu verschiedenen Stichwörtern.

"The Pyramid Builders" (engl.)
Diese Onlineseite zum National Geographic Articel "The Pyramid Builders" in der aktuellen (englischen) Ausgabe vom November 2001 beinhaltet einige Links und (englische) Literaturtipps.

 

Wussten Sie schon,

dass der Bau der großen Pyramiden von Gize eine ganze Stadt entstehen ließ?

Archäologen fanden nahe der Pyramiden Reste einer ganzen sorgfältig angelegten Stadt, die wahrscheinlich zur Unterbringung und Versorgung der am Bau beschäftigten Massen bestimmt war. Vorher hatten Forscher noch geglaubt, dass es solche entwickelten Städte im Ägypten des alten Königsreiches (2650-2150 v. Chr.) noch nicht gegeben hätte.

 

Glossar

Was ist eine Pyramide?
Ein Baukörper über einem quadratischen Grundriss mit allseitig abgeschrägten Oberflächen und mit einem ungefähren Neigungswinkel von 50. Die ersten ägyptischen Pyramiden waren Stufenpyramiden, die sich dann in der vierten Dynastie (Gize) zu Pyramiden mit glatten Seiten entwickelten.
Stufenpyramiden gab es auch in der babylonischen Kultur, sowie pyramidenartige Stufenberge mit aufgesetzten Tempeln in der altamerikanischen Kultur und in Hinterindien. Während die ägyptischen Pyramiden ausschließlich als Grabmäler für die Pharaonen dienten, wurden die Stufenpyramiden und Stufenberge in Babylonien und Altamerika meist für astronomische Beobachtungen genutzt.

 

 


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Ulrike Johnson, E-Mail: ulrikejohnson@gmx.net