Serie1: Zeugen aus dem Dunkel. Prähistorische Kunst
Teil 1: Die Kunst der frühen Steinzeit

 

Der Drang, sich künstlerisch auszudrücken gehört zu den ureigensten Merkmalen des Menschen. In der langen Periode der frühen Menschheitsgeschichte, aus der uns keine schriftlichen Zeugnisse überliefert sind, geben uns Kunstwerke einen einzigartigen, oft befremdlichen Einblick in das Denken unserer Vorfahren, welches uns sonst kaum zugänglich ist.

 

Paläolitische Kunst hat eine Eigenart: sie ist dem Zahn der Zeit mehr als alles anderen Kunstwerke unterworfen, dass solch uralte Kunstwerke überhaupt bis in unsere Zeit überlebt haben erscheint wie ein Wunder. Gemessen an der gewaltigen Zeitspanne, in der diese Kunstwerke entstanden, ist ihre Anzahl daher verschwindend gering. Und: man muss sie erst finden, denn ihr Überleben verdanken sie dem Umstand, dass sie in unzugänglichen Höhlen versteckt oder in der Erde vergraben sind.

Das spricht ein Problem an, mit dem auch die Kunstgeschichte häufig konfrontiert ist: denn natürlich hat sich nur das erhalten, was aus robusten Material war und durch besonderen äußeren Schutz die Zeiten überdauern konnte. Dies bedeutet eine Selektion, die das Bild der prähistorischen Kunst verzerrt, denn natürlich können wir nicht wissen, was uns durch Verfall verloren gegangen ist.

Die ältesten bekannten Kunstwerke sind Plastiken: kleine Figurinen aus Stein oder Knochen, die Frauengestalten oder Tiere darstellen. Trotzdem ist nicht sicher bekannt was nun eher da war: die Plastik oder die Malerei. Denn wir wissen auch, dass die Menschen schon sehr früh malten: davon zeugen Malereien im Inneren von Höhlen und an geschützten Felsstellen, die nur auf Grund glücklicher klimatischer Umstände bis heute erhalten sind.

Die Kunst der Jäger und Sammler Gesellschaften der Altsteinzeit - hier geht es um den Zeitraum von ca. 30.000 - 8.000 v. Chr. - dreht sich besonders um ein Thema: das Tier. Für eine solche Gesellschaftsform scheint das wenig überraschend, denn Tiere bestimmten als Nahrung und Konkurrent das Umfeld der frühen Menschen. Aus diesem Grund wird altsteinzeitliche Kunst oft auch als "Jagdzauber" interpretiert.

Andere Deutungen gehen zumindest von einer magischen Funktion aus, verbunden mit einer Fruchtbarkeitsreligion. Darauf hin weisen die zahlreichen Statuetten mit übertrieben dargestellten weiblichen Zügen. Geometrische Zeichen und Darstellungen von Tiermenschen werden mit einem Schamanismus in Verbindung gebracht, wie er heute noch bei Völkern zum Beispiel in Afrika praktiziert wird.

Mit all diesen Theorien steht die Erforschung der altsteinzeitlichen Kunst aber erst am Anfang. Ihre Erforschung betreiben heute hauptsächlich Archäologen, die mit ihren ausgeklügelten Methoden und Spezialwissen zu den frühen Menschheitsepochen auch am besten dazu in der Lage sind. Das heißt aber nicht, dass ihre Ergebnisse nicht auch für Kunsthistoriker interessant sein können: Schließlich liegen hier die Anfänge der Kunst.

Für einen Kunsthistoriker können sich hier interessante Fragen liegen: Liegen die Wurzeln der Kunst zum Beispiel tatsächlich in magischen Praktiken und religiösen Vorstellungen oder hat sie dem Menschen von Anfang an mehr bedeutet? Oder bewegt sich die Ausdrucksform in der Kunst tatsächlich von primitiven und abstrahierten Formen zu komplexen und naturalistischen, wie es uns die Kunstgeschichte lange weis machen wollte? Interessant ist zum Beispiel auch, dass Menschen in der eiszeitlichen Kunst kaum dargestellt werden, und wenn meist auf eigenartig verformte Weise.

 

Links

Prehistoric Art (engl.)
Überblick über die Sammlung der Heremitage in Petersburg, mit vielen Abbildungen.

 

Wussten Sie schon,

dass Menschen in der eiszeitlichen Kunst kaum dargestellt werden, und wenn meist auf eigenartig verformte Weise.

 

Glossar

Was ist paläolithische Kunst?
Paläolithikum bedeutet zu deutsch "Altsteinzeit". Man teilt die Geschichte der Menschheit vor Einführung der Schrift in Epochen, die nach dem dominierenden Werkstoff dieser Zeit benannt sind. Die älteste und längste dieser Epochen ist die Steinzeit. Sie beginnt praktisch mit dem ersten Gebrauch von Steinwerkzeugen und reicht bis zur ersten Einführung von Metall.
Die Steinzeit wird noch einmal unterteilt in Altsteinzeit (Paläolithikum), Mittelsteinzeit (Mesolithikum) und Jungsteinzeit (Neolithikum). In der Altsteinzeit und Mittelsteinzeit lebten die Menschen als jagende und sammelnde Nomaden, die Jungsteinzeit ist durch die Einführung von Ackerbau und Viehzucht und damit verbundener Sesshaftigkeit gezeichnet. Die Mittelsteinzeit ist dabei nur eine "kurze" Epoche von einigen Jahrtausenden, die der Alt- und Jungsteinzeit zwischen geschoben ist (je nach Region ca. 12.000 - 5.000 bzw. 3.000 v. Chr.).
Paläolithische Kunst bezieht sich auf die Kunst zwischen 30.000 bis ca. 8.000 v. Chr. Ältere Kunstwerke sind nicht bekannt.

 

 


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Ulrike Johnson, E-Mail: ulrikejohnson@gmx.net