Surrealismus oder die innere Revolution

 

Der Surrealismus gehört heute zu den populärsten Kunstrichtungen. Die Faszination entspringt dem Rätselhaften und Phantasievollen, welches surrealistische Kunst im allgemeinen verbindet. Als einheitlicher Kunststil ist er schwer fassbar: Diversität scheint vielmehr ein Grundmerkmal des Surrealismus zu sein. Gemeinsam war allen surrealistischen Künstlern ein Interesse an den verborgenen Kräften des Irrationalen und der Kampf gegen die bestehende Moral und Gesellschaft.

 

Die Anfänge des Surrealismus liegen in der kreativen Atmosphäre der Nachkriegszeit gegen Beginn der 20er Jahre. Die Erfahrung des zweiten Weltkriegs hatte eine junge Künstlergeneration in tiefe Zweifel an der bestehenden Gesellschaft und deren Werte gebracht. Kunstströmungen wie der Dadaismus waren entstanden, die überkommene Werte völlig in Frage stellten. Die Avantgarde war offen für revolutionäre geistige Strömungen, wie die kommunistische Revolution in Russland und die Theorien Sigmund Freuds.

Der Surrealismus entstand in der Kulturmetropole Paris zunächst als eine Literaturströmung, um die Gruppe "Littérature". Die Künstler Max Ernst, Jean Míro, André Masson und Hans Arp bildeten dann den Grundstein zu einer surrealistischen Richtung in der Bildenden Kunst. Kopf dieser Bewegung wurde André Breton, der 1924 mit seinem "Manifeste du Surréalism" die geistigen Grundlagen dieser neuen Strömung definierte.

Wie vor ihnen schon die Dadaisten, aus denen sie teilweise hervorgegangen waren, wollten die Surrealisten mit ihrer Kunst die bestehende bürgerliche Gesellschaft mit ihren patriarchalischen Zügen und den Ecksteinen von Religion, Familie und Patriotismus untergraben. Ihr Interesse richtete sich dabei auf das Unterbewusste, die Kräfte, die jenseits des Rationalen gelegen waren und die unter der Oberfläche der rationellen Gesellschaft lauerten: eben das Surreale.

Ihre wichtigste Inspiration war dabei Siegmund Freud und dessen Theorie der Kraft des Unterbewusstseins. Ganz anders als er wollten die Surrealisten die Psychoanalyse jedoch nicht zur Heilung von Krankheiten nutzen, sondern sie waren fasziniert von diesen irrationalen Kräften, welche die Gesellschaft versuchte zu verdrängen. Themen, in denen das Unterbewusste zu Tage tritt, wurden daher zum Inhalt surrealistischen Kunstschaffens: Traum und Phantasie, Märchen, Kindheit, psychische Krankheiten, Halluzinationen, Sexualität.

Indem sie diese irrationalen Kräfte in ihrer Kunst zum Ausdruck brachten, wollten die Surrealisten Gesellschaft und Moral ganz unmittelbar angreifen. Die Mittel mit denen das geschah waren ausgesprochen vielfältig. Im Surrealismus gab es keinen einheitlichen Stil. Die Liste seiner Protagonisten ist daher ebenso divers. Künstler, die in einem akademisch realistischen Stil malten, wie René Magritte, passten ebenso hinein wie Jean Míro, mit seinen traumhaften Bildern aus antromorphen Formen, Fotographen wie Man Ray und Objektkünstler wie Meret Oppenheim.

Eine so diverse Bewegung war nicht von einem Zentrum aus zu dirigieren. André Breton versuchte die Inhalte des Surrealismus zu bestimmen und zu kontrollieren, indem er eifersüchtig über "seine" Gruppe in Paris wachte. Oft kam es daher zu Zusammenstößen zwischen ihm und einzelnen Künstlern, die mit seinen Ansichten nicht übereinstimmten. Trotzdem war Breton bis zu seinem Tod der Kopf der Bewegung, weshalb der Surrealismus offiziell mit seinem Tod 1966 endet.

Die große Zeit des Surrealismus war jedoch schon nach dem zweiten Weltkrieg zu Ende. Seine Nachwirkung auf die Kunst der Postmoderne war jedoch enorm und ist noch heute spürbar.

 

Links

Surrealist.com (engl.)
Große Auswahl von Kurzbiografien von Künstlern, Geschichte, Galerie und "Qu'est-ce que le Surrealism?" von André Breton.

Salvador Dalí
Umfangreiche Biographie, zahlreiche Abbildungen, Werkekatalog, geordnet nach Epochen und Gattungen mit sehr vielen Beispielen, dazu jeweils Informationen, außerdem Texte von Dalí und Informationen zu Museen mit seinen Werken, Büchern und Links.

Man Ray Foto Gallerie (engl.)
Bilder und Biographie des Fotokünstlers.

Max Ernst
Text und Bilder über Artchive

 

 


 

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Ulrike Johnson, E-Mail: ulrikejohnson@gmx.net