Serie 2: Kunstwerke erzählen Geschichte
Teil 7: Der Palast des Sonnenkönigs

 

Ludwig XIV. hatte die Nase voll von Paris. Es war ein elendiger Moloch, im Inneren voll von schmutzigen Gassen und bewohnt von einem gefährlichen Mob und aufmüpfigen Bürgern. Die Stadt war einfach nicht die rechte Bühne für einen Herrscher wie ihn, für den das Leben einer glanzvollen Theaterinszenierung gleich war, in der er, der Sonnenkönig, die Hauptrolle spielte. Die geeignete Bühne schuf er sich selber. Sie entstand in Form eines neuen Palastes in dem kleinen Vorort Versailles und nie hatte die Welt ein Schloss gesehen, das in so perfekter Weise die absolutistische Herrschaft inszenierte.

 

Das barocke Zeitalter liebte Allegorien über alles und am liebsten hatte es diejenige des Theaters: das Leben war ein Theaterstück, das auf der Bühne der Welt stattfand. Kaum ein Mensch jener Zeit setzte diesen Gedanken so unmittelbar in die Tat um, wie der französische König Ludwig XIV. Sein Hof sollte das Spiegelbild des Kosmos sein und er selbst sah sich je nach Laune als den obersten Regenten Jupiter oder den Musengott Apoll, den Förderer der Künste und Wissenschaften. Seine Lieblingsrolle war aber die der alles überstrahlenden Sonne. Er sah sich als den Sonnengott, den Anführer des goldenen Zeitalters, das schon antike und frühchristliche Schriftsteller prophezeit hatten.

Für diese Zwecke genügten ihm die alten Paläste seiner Vorfahren in Paris nicht mehr. Auch wenn er der Stadt durch viele Neubauten seinen Stempel aufdrückte, verlangte es ihn doch nach einem Ort, der seinen Bedürfnissen besser gewachsen war. Er fand diesen Ort in Versailles, einem kleinen Vorort von Paris, wo sein Vater ein königliches Jagdschloss errichtet hatte. 1668 begann Ludwig XIV. damit, das Schloss auszubauen und gleichzeitig einen großzügigen Park anlegen zu lassen. Er engagierte dafür bekannte Künstler: den Architekten Le Vau, Innenarchitekten Le Brun und Gartenarchitekten Le Nôtre.

Ein Umbau in noch grandioseren Ausmaßen stand aber noch bevor, denn 1677/78, nachdem im Frieden von Nijmwegen die französische Vormachtstellung über Europa besiegelt war, beschloss der König, seine Residenz und den gesamten Hofstaat nach Versailles zu verlegen. Mit der Vollendung des Baus betraute er den jungen Architekten Jules Hardouin-Mansart. Unter diesem gewann der Bau beeindruckende Ausmaße und eine gewaltige langgestreckte Fassadenfront. Als Gegenstück des Schlosses funktionierte der Park, der Bühne für das ephemere Gesamtkunstwerk des Barock wurde - die prachtvollen Feste.

Im Inneren war das Schloss einer strengen Raumhierarchie unterworfen, wobei jeder Raum einer besonderen symbolischen Bedeutung diente. Privaträume gab es dabei nicht: der Hofstaat war immer und überall dabei, um im Glanz des Sonnenkönigs stehen zu können. Zentrum des Palastes und Kultstätte war das Schlafgemach des Königs. Hier wurde jeden Morgen das Ritual des Sonnenaufgangs, des königlichen Aufstehens vollzogen, bei dem es für jeden einzelne Griff der Dienerschaft und jede Eventualität minutiöse Anweisungen gab.

Wie der Tagesablauf der Sonne, so sollte auch der des Königs vonstatten gehen. Jeder Schritt den er oder seine Diener taten, war fein abgestimmten Regeln unterworfen. All das diente einer riesigen Propagandamaschinerie, deren Zweck es war, die Gottähnlichkeit des Königs zu verbreiten. Dieser dienten Kunst, Theater, Architektur und prunkvoll inszenierte Feste und Umzüge. Im Mittelpunkt stand aber die Repräsentation des Königs selbst. Für die Erfüllung dieser Aufgaben brauchte der König einen Ort wie Versailles, der für seine Handlungen eine perfekt abgestimmte Kulisse und den symbolischen Rahmen abgab.

 

Links

Chateau de Versailles (fr, engl., span.)
Offizielle Seite des Schlosses mit Informationen und Bildern zum Schloss, Park, Trianon und zum Ort sowie praktische Informationen für Besucher. Zahlreiche zusätzliche Quellen zur Geschichte von Versailles speziell für Schüler / Studenten und Lehrer sind auf französisch erhältlich.

Versailles
Artikel aus einem online-Reiseführer zu Paris

Bienvenue à Versailles! (fr)
Fotografien Schloss und Garten.

Versailles
Kleines Schülerreferat zu Versailles vom Peter-Petersen-Gymnasium Mannheim

 

 


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Ulrike Johnson, E-Mail: ulrikejohnson@gmx.net